Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 131
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III.

DIE INSELN DER SELIGEN

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Römisches Grabepigramm.

A. Die Meeresfahrt der Toten
1. Das seetüchtige Schiff des Charon

Bei der Betrachtung des Sarkophages von Velletri haben wir1 auf die eigentüm-
liche Darstellung des Schiffes aufmerksam gemacht, das die Verstorbenen zu den
Gestaden des Jenseits hinüberbringt (Taf. 27, 2). Es ist ein hochbordiges Schiff2 mit
einem kräftigen Mastbaum, an dessen Rahe ein großes Segel gerafft ist, und mit einem
kleineren Vordersegel, das sich im Winde bläht. Ein bärtiger Mann in dem eine
Schulter freilassenden Chiton der Schiffer, mit dem nach dem ganzen Erscheinungs-
bild doch kein anderer als Charon gemeint sein kann, steht vorne im Schiff und hält
das Vordersegel mit einem Tau an der einen Ecke. Am großen Steuerruder sieht man
zwei sitzende Gestalten, in denen Verstorbene zu erkennen sind. Die Riemen des
Schiffes, von denen vier dargestellt sind, werden von unsichtbaren Ruderknechten
bedient.

Uberblickt man die Reihe der Darstellungen des Totenfährmanns von der ein-
zigen bisher bekannten schwarzfigurigen Vase, einer Totenopferröhre in Frankfurt3,
bis hin zu den römischen Darstellungen, die wir oben4 aufgeführt haben, von denen
hier zum Vergleich die Darstellung des Protesilaussarkophags im Vatikan (Taf. 30,1)
herausgegriffen sei, so sehen wir Charon immer in einem Fahrzeug, das wir, um im

1 S. o. 57 f.

2 Zur Form des Schiffes vgl. A. Köster, Das antike Seewesen (1923) 158ff. RE. Suppl.
V (1931) 914ff. s. v. Seewesen (Miltner).

3 H. Schaal, Griech. Vasen aus Frankfurter Sammlungen (1923) Taf. 24.

4 S. o. 57.
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