Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 141
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Gewand an, das auf der rechten Schulter geknüpft, links aber auf den Oberarm herab-
geglitten ist und die linke Brust freiläßt. Der blau gefütterte, außen rote Mantel fällt
über Schoß und rechtes Bein, das sie ausgestreckt auf den Rand der Insel gelegt hat.
Das linke Bein läßt sie ins Wasser herabhängen, so daß es bis zur Hälfte des Unter-
schenkels eintaucht. Um den Hals trägt sie ein dreifaches Halsband, von dem eine
ovale Brosche herabhängt. Die Darstellung auf dieser Brosche ist nur undeutlich aus-
geführt. Den Kopf mit eingerolltem Haar wendet die Frau nach rechts einem heran-
tretenden Jüngling zu und hält ihm mit der Linken eine rote Schale hin. Den rechten
Arm legt sie um eine nur wenig kleiner gebildete neben ihr sitzende weibliche Gestalt,
die sich mit dem linken Arm aufstützt und in der Rechten einen roten Blütenkranz
hält. Sie trägt ein dunkles Unterkleid und hat sich ganz in ihren hellen Mantel gehüllt,
der nur die Füße freiläßt. Ihren Hals schmückt eine rote Blütenkette, und auch im
Flaar trägt sie einen Blütenkranz. Der Jüngling, der zu diesem Paar herangetreten ist
und den rechten Fuß auf einen Felsen hochstellt, hat einen weißen Mantel um den
Leib geschlungen, der über den linken Arm nach Art eines Paludamentum herabfällt.
Er hat den rechten Arm angewinkelt erhoben und gießt aus einem kleinen Rhyton
eine Flüssigkeit in die ihm entgegengestreckte Schale. Rechts sieht man eine von
zwei Eroten geruderte Barke, in der ein dritter Eros stehend mit dem Dreizack
nach Fischen sticht.

Die rechte, nördliche Seitenwand63 (Taf. 76) besitzt in der Mitte eine rundbogige
Tür und zu deren Seiten zwei kleine rundbogige Fenster, deren Gewände mit Mosa-
iken ausgelegt sind. Über diesen Fenstern ist auf der linken Seite der Türe der in
Schlingungen sich windende Hinterleib eines Tritons oder Hippokampen erhalten,
auf dessen Rücken eine nach rechts gewandte weibliche Gestalt sitzt. Auf dem Rück-
grat des hellen Fischleibes erkennt man die dunklen Flossen, im Inneren der Win-
dungen dessen dunkle Unterseite. Die weibliche Gestalt hat mit einem Mantel ihren
Unterkörper verhüllt. Der vordere Teil ihres Reittieres ist zerstört, möglicherweise
durch die erst später in die Wand gebrochene Tür.

Die Szene rechts von der Tür zu erkennen, bereitet größere Schwierigkeiten.
Deutlich auszumachen ist ein nach links gewandter Eros mit seinem dicken Köpfchen,
dem prallen Körper und den kleinen Flügeln auf den Schulterblättern. Man glaubt
zu sehen, daß er auf der Schwanzflosse eines seinen Leib mindestens in drei Schlin-
gungen windenden Seewesens sitzt, dessen Vorderteil ebenfalls nicht mehr erhalten
ist. Eroten sitzen gern auf den breit gefiederten Schwanzflossen von Tritonen und
anderen Seewesen, wofür die Sammlung der Meerwesensarkophage von Rumpf eine
solche Fülle von Beispielen bietet, daß man sie nicht im einzelnen anzuführen braucht.
Ein Beispiel in Mosaik, wo ein Putto auf dem Schwanz eines Ketos steht, bietet das
Mosaik von Lambaesis04. Die Meereslandschaft der Hauptwand wird auf dieser
Seitenwand also durch die üblichen, uns von den Sarkophagen bekannten Seewesen:
Hippokampen oder Tritonen, Nereiden, Eroten erweitert.

63 Gasdia a. O. Abb. 49 f.
84 S. Gsell, BA. 1906 Taf. 89.
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