Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 143
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Das Beisammensein dieser drei göttlichen Gestalten auf der von Putten und See-
wesen umspielten Insel hat eine besondere Bedeutung durch die Handlung, die sie
vollziehen: alle drei schauen auf die Opferschale, welche die mittlere Frau empor-
hält, während der hinzutretende Jüngling den Opfertrank eingießt. Daß auch die
andere Frau an dem Opfer teilnimmt, beweist der Blütenkranz in ihrer Hand. Von
ihrem Tun, dem Opfer her muß sich die Deutung dieser drei Figuren finden lassen.
Wenn wir nicht annehmen wollen, daß die Vorstellung der spendenden Götter77, die
im 5. Jh. v. Chr. in Griechenland lebendig war, im 3. Jh. n. Chr. noch verstanden
wurde, wogegen auch die beiden von tiefem Missverständnis zeugenden Erwähnun-
gen spendender Götter bei Plutarch und Libanios78 sprechen, dann können hier nicht
wirkliche Götter gemeint sein, es müssen vielmehr Menschen in Göttergestalt sein,
die dieses Trankopfer darbringen. Wir werden also besser daran tun, diese Gestalten
nicht göttlich sondern vergöttlicht zu nennen. Wie das zu verstehen ist, wird sich
im Folgenden zeigen.

2. Lünettengemälde aus einer zerstörten
„Stanza sotterranea nel orto degli frari di Sa. Gregorio al monte Celio".79

Das Gemälde ist nur von Zeichnungen und Stichen des Pietro Santi Bartoli und
seines Sohnes Francesco bekannt. Es darf nicht nur aus sich heraus, sondern es muß
im Zusammenhang der Gesamtdekoration dieser Stanza erklärt werden.

Aus der gleichen Kammer sind nämlich in mehreren Codices noch Kopien der
Deckenmalerei und zweier weiterer Lünettengemälde bekannt, so daß wir die Deko-
ration der Kammer im wesentlichen überschauen:

1. Etoncod. H. III80:

II Taf. 22 = Ashby 19 f. = Lünette B

II Taf. 23 == „ 20, Taf. 8 = Lünette C

II Taf. 24 = „ 20 = Lünette A

III Taf. 28 = „ 34 = Decke D

2. Windsor Castle Codex XIII81:

XIII Taf. 149 == Michaelis 122 = Decke D und Lünette B

XIII Taf. 150 = „ 122 = Lünette A

77 Eckstein-Wolf, Mdl. 5, 1952, 39ff. Simon, Opfernde Götter (1953). Himmelmann-
Wildschütz, Zur Eigenart des klassischen Götterbildes (1959); MarbWPr. 1960, 41ff. W.
Fuchs, RM. 68, 1961, 167 ff.

78 Plut. mor. p. 418 B. Liban. decl. 60. Vgl. Eckstein-Wolf a. O. 44f.

79 Auch Sepolcro Corsini genannt, s. o. 117f. 143f. 1-7. O. Benndorf, AM. 1,1876, 64
Taf. 2. M. Rostovtzeff, ARW. 10,1907, 560ff. B. Nogara, Le nozze Aldobrandine (1907) 75.
T. Ashby, BSR. 7, 1914, 19f. Taf. 8. Reinach, RP. (1922) 43, 11. 59, 6. B. M. Felletti-Maj,
RIA. 2, 1953, 74 Anm. 42.

80 Ashby a. O. 19 f. 34.

81 A. Michaelis, Jdl. 25, 1910, 122.
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