Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 145
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1963/0152
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
145

Das von strenger Axialsymmetrie beherrschte Dekorationsschema88 beruht auf
einer Durchdringung von Kreisen und Quadraten, deren aus Girlanden gebildete
Seiten aber in geschwungene Linien aufgelöst sind. Den Rahmen des Mitteltondos
bildet ein Jaufender Hund'. Zwei umeinander geflochtene Wellenlinien laufen außen
um. In einigem Abstand ist ein konzentrischer Kreis in Form einer Schnur mit aufge-
reihten, in Sechsergruppen voneinander abgesetzten Kugeln herumgelegt, der aber
dadurch weniger in Erscheinung tritt, daß aus ihm mit Hilfe nach innen gespannter
Girlanden auf allen vier Seiten vier gleichmäßige sphärische Zweiecke herausgeschnit-
ten sind, in denen zu Seiten eines Baumes (in dem rechten zu Seiten eines Gebäudes)
zwei Vögel stehen. An der Kreisschnur mit den Kugeln sind auf allen vier Seiten,
entsprechend den nach innen gespannten, vier nach außen durchhängende Girlanden
angebracht. Je drei kleine nach außen durchhängende Girlanden zwischen den Enden
der großen und je drei Putten mit Blütenkörben, die innen über die freien Kreislinien
der Schnur mit den Kugeln laufen, bereichern das Ganze und schaffen diagonale Be-
züge. Um die Kreisschnur läuft eine strickartig aufgedrehte Wellenlinie, welche die
Kreisschnur an den Schnittpunkten mit dem imaginären Achsenkreuz berührt; sie
wirkt wie ein Quadrat mit nach innen geschwungenen Seiten und abgerundeten
Ecken. An den Ecken stehen Körbe, aus denen Girlanden quellen; sie nehmen die
diagonalen Bezüge auf. Ein weiteres Quadrat, dessen Seiten aus je zwei nach innen
gespannten Girlanden und dazwischen gerade verlaufenden Bändern aus ineinander
gesteckten Blüten bestehen und dessen Ecken mit ebensolchen Bändern abgestumpft
sind, an denen je zwei Girlanden nach außen durchhängen, ist außen um das ganze
Gebilde herum gelegt. In den Ecken dieses Quadrats sind die vier oben erwähnten
Tondi mit Porträts89 angebracht, welche die diagonale Durchdringung des recht-
winkligen Systems betonen.

Auf den nach innen gespannten Girlanden zu Seiten dieser Tondi sieht man Zwei-
gespanne von Hirschen und Rehböcken, die zweirädrige Karren mit geflügelten
kleinen Mädchen ziehen; diese tragen Blütenkörbe in den Händen.

Die Seiten des Quadrates sind mit Hilfe von je zwei umeinander geflochtenen
Girlanden innen und zwei Blütenbändern außen mit dem Rand der Decke verspannt,
so daß zwischen den Eckfeldern noch je drei weitere Felder entstehen. In diesen sehen
wir Putten mit Blütenlese und Opfern beschäftigt. Nur in den Mittelfeldern rechts
und links tritt eine erwachsene Gestalt, wohl beide Male weiblich, in den Kreis der
Putten. Rechts hält ihr ein Putto eine Schale hin, links steht ein Putto mit sprechender
Gebärde vor ihr, während sie, hinter einem Tisch stehend, eine Girlande zu sich
heranzieht, die von oben herabhängt. Offenbar will sie dem kleinen Wesen, das die
Hände bittend ausstreckt, diese Girlande reichen. Es scheint hier an eine Art Girlanden-
verkauf oder -ausgäbe gedacht zu sein, wofür es auch sonst nicht an Beispielen90 fehlt.

88 Vgl. o. 117 f.

89 Vgl. auch u. 146.

90 S. vor allem die Decke eines Grabes: P. S. eF. Bartoli a. O. Taf. 14, wo ein Putto
hinter einem Verkaufstisch sitzend dargestellt ist, auf dem das Wechselgeld liegt. Eine
Psyche ist herangetreten und wählt eine Girlande aus, die von einem Galgen herabhängt,
loading ...