Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 146
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Die beiden Putten nehmen demnach von den großen Frauen das in Empfang, was sie
zum Opfern brauchen: Opfertrank und Girlande.

In den Ecken der Decke befanden sich Meeresszenen, von denen die vorderen nach
Ausweis des Blattes bei Caylus91 (Taf. 79, 3) zu Bartolis Zeiten schon zerstört waren.
Nach innen gewandte Tritonen mit Füllhörnern schließen sie auf den Schmalseiten ab.
Die rechte Szene zeigt ein Boot mit drei Putten neben einem Felsen im Meer, auf dem
eine etwas größer gebildete, langgewandete Figur steht. In der linken sieht man zwei
Barken, von denen die vordere, mit zwei Putten besetzt, rückwärts an eine Landzunge
herangefahren ist, auf der zwei langgewandete Figuren stehen. Die rechte lädt mit
ausgestreckten Armen die andere ein, das Boot über eine ausgelegte Schiffsleiter zu
besteigen. Ein in der Barke stehender Putto unterstützt dies mit einer beredten Ge-
bärde seiner Hände. Im Flintergrund sieht man noch eine Barke, deren Insasse, ein
Putto, einem anderen aus dem Wasser ins Boot hilft.

Die Porträts in den Tondi weisen die ausgemalte Kammer etwa ins 2. Viertel des
3. Jhs. Die Frau im Mitteltondo trägt die Frisur der Julia Mamaea92, die 235 ermordet
wurde, und auch das Porträt des Mannes neben ihr, der offenbar den cirrus™ trägt,
spricht nicht gegen einen Ansatz in diese Zeit. Es läßt sich vor allem mit Porträts des
Maximinus (235-38) gut vergleichen94.

Die Lünette A (Taf. 78, 2. Taf. 79, 2), die durch die Aufschrift „facciata princi-
pale" als Haupt-, das heißt: Rückwand der Kammer bezeichnet ist, zeigt eine Meeres-
landschaft. Links im Vordergrund ist Land angedeutet, auf dem ein Gitterkäfig steht95.
Drei Barken schaukeln auf dem Wasser. In der vorderen links sehen wir sechs, teils
mit kurzen, teils mit langen Gewändern bekleidete Putten, also wieder Eroten und
Psychen. Eines der kleinen Wesen bläst die Flöte, ein anderes läßt die Krotalen klap-
pern und tanzt dazu auf dem Deck des Bootes. Im hinteren Boot links sind drei in
gleicher Weise bekleidete Putten darstellt. Zwei tanzen, von denen einer das Tympa-
non schlägt, ein dritter sitzt am Bug und schaut ihnen zu. In einer kleineren Barke
rechts sind drei nackte Putten damit beschäftigt, ein Netz aus dem Meer zu ziehen.
Zwei weitere schwimmen im Wasser, offenbar auf der Jagd nach Aalen, deren einen

der dem auf D sehr ähnlich ist. Vgl. auch die Zeichnung im Etoncodex I: Ashby a. O.
Taf. 3, den Sarkophag in Palermo, Kathedrale: V. Tusa, I sarcofagi rom. in Sicilia (1957)
27ff. Nr. 2 Abb. 15-18 und die pompejanischen Fresken mit rankenflechtenden Eroten:
Reinach, RP. 192, 1-3.

91 S. o. 144 Nr. 4.

92 Felletti-Maj, Iconografia rom. imp. da Severo Alessandro a M. Aurelio Carino
(1958) 105ff. Taf. 6f.

93 RE. III 2 (1899) 2586 s. v. Cirrus (Jüthner).

94 Felletti-Maj a. O. 114ff. Taf. 9.

95 Ein ähnlicher Käfig findet sich auch auf dem großen Hafensarkophag im Belvedere
des Vatikans (vgl. u. Anm. 126) unter dem aufgestützten Fuß der männlichen Mittelfigur
und in einem Boot der Wandmalereien von Pietra Papa, wo ihn Jacopi a. O. 67 als das zu
bespannende Gestänge eines Tuguriums, d. h. einer Schutzhütte für den Steuermann, an-
spricht. Es ist nicht Idar, ob jedesmal das gleiche gemeint ist, auch kann man nichts Rechtes
damit anfangen. Vielleicht ist es eine Reuse.
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