Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 149
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mer innerhalb des Pomeriums erwägt, weist er ein wenig weiter106 darauf hin, daß
auch eine Lage „al margine dell'Appia subito fuori Porta Capena" möglich sei und
gibt zu: „indiscutibilmente i ritratti fanno pensare ad un sepolcro"; die Lünetten,
die in Privaträumen nicht vorkommen, machen es vollends sicher.

Bei der Deutung des Grabschmucks ist man bis heute über die Bemerkung Poz-
zos107 noch nicht hinausgekommen: „ . . . fu trovata una stanza sotterranea con volta
con arabeschi o per meglio dire grotteschi diversi, con due ritratti di uomo e di
donna e le pareti con scherzi di putti e historia di una Venere che scherza in acqua
nuotando."

K. O. Müller108 und nach ihm O. Benndorf109, die sich als erste in der modernen
Archäologie mit dem Bilde, das die Schwimmende darstellt, befaßten, wollten darin
einen Nachklang der Anadyomene des Apelles sehen. Anderweitig ist dieses Bild, so-
weit ich sehe, noch nicht eingehender behandelt worden. Ashby110 spricht ebenfalls
von einer schwimmenden Aphrodite.

Aber wird man annehmen dürfen, daß die Anadyomene im Meere schwimmend
dargestellt wird und nicht vielmehr daraus auftauchend oder in einer Muschel dar-
überhin getragen, wie wir es auf pompejanischen Bildern gewöhnlich sehen?111
Aphrodite wird bei ihrer Geburt nicht schwimmend dargestellt. Auch bei den Schrift-
stellern heißt es, daß sie, aus dem Meere auftauchend, das Wasser aus ihren Haaren
ausdrückte112. Wir werden in der Darstellung der Schwimmenden nicht die Meerge-
burt Aphroditens erkennen dürfen, zumal wir sie im Zusammenhang mit der Darstel-
lung der Decke und der beiden anderen Lünetten sehen müssen. Die Schwimmende
muß den auf den beiden Inseln Sitzenden gleichgestellt sein.

Das Bild der Hauptlünette A kann richtig nur im Zusammenhang mit den
anderen Repliken der Mittelgruppe erklärt werden. Benndorf113 bezeichnet es im Vor-
beigehen als Hochzeit von Dionysos und Ariadne auf einem Felsen im Meer, was
schon wegen des weiblichen Geschlechts der Figur mit der Schale unmöglich ist.
Besonders erschwert, ja geradezu unmöglich aber war die Erklärung, weil man die
Zugehörigkeit der Lünettenzeichnung im Etonkodex114 nicht beachtet hat; jetzt
bietet sich ein ganz anderes Bild.

106 Ebd. Anm. 37.

107 Bei Colini a. O. 208.

108 K. O. Müller, Handbuch der Archäologie der Kunst (18483) § 141, 3.

109 Benndorf a. O. 63 ff.

110 Ashby a. O. 19.

111 Pompeji, Reg. II 2, 2-5 i. 3, 3: A. Maiuri, La peinture rom. (1953) 7. Masseria di
[race: W. Heibig, Wgm. (1868) Nr. 307. Neapel Inv. 27704: O. Elia, Pitture murali (1932)
Nr. 2. Le pitture ant. d'Ercolano IV (1765) Taf. 3. Mus. Borb. I (1824) 33. Rcinach, RP.
60, 2. Reg. VII 2, 45 Garten; IX 7 Mosaikbild an Brunnen: HBr. I (1904-31) 258f. Abb.
77f. Neapel, Nat. Mus.: HBr. I Taf. 189; vgl. Schefold, Die Wände Pompejis (1957) 53. 161.
175. 272.

112 RE. I 2 (1894) 2019 s. v. Anadyomene (Jessen).

113 Benndorf a. O. 64.

114 Etoncodex II 23, s. o. 143 Nr. 1.
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