Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 154
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und winzige Menschlein bewegen. Der in Ostia gefundene Sarkophag ist auf Grund
seines Stils in die Mitte des 3. Jhs. zu datieren. Eine Zeichnung in der Sammlung Dal
Pozzos127 (Taf. 80, 2) gibt den Sarkophag in einem früheren Zustand wieder, als er
vielleicht noch besser erhalten war, und ist deshalb zur Erklärung mit heranzuziehen,
obgleich wir sehen werden, daß der Zeichner nicht sehr verläßlich ist.

M. Fasciato ist es kürzlich geglückt, in einer ingeniösen Untersuchung128 nach-
zuweisen, daß sich die Darstellung in der Tat an den Hafen von Portus anlehnt, was
vorher nur vermutet worden war. Sie konnte die auf dem Sarkophag dargestellten
Bauwerke mit Hilfe von Inschriften weitgehend überzeugend identifizieren und sogar
eine Lageskizze der Gebäude im Verhältnis zum Hafen rekonstruieren129. Daraus er-
gibt sich, daß wir in der gesamten Darstellung von Wasser im Vordergrund das
Hafenbecken vor uns haben und nicht etwa links offenes Meer, wie man vielleicht
annehmen könnte.

In diesem Hafen sehen wir zwei große Schiffe und fünf Ruderboote auf den
Wellen schaukeln. In den kleinen Booten sitzen ein, zwei oder auch drei kindlich
klein gebildete Ruderer. Im zweiten Boot von rechts wirft der eine ein Netz aus; die
übrigen rudern gemächlich dahin, wie wir es von den Sarkophagen mit Erotenschiff-
fahrt kennen130. Die kleinen Wesen sind im allgemeinen nackt, doch sind zwei von
ihnen auch mit einem langen Gewand bekleidet: bei dem einen in dem Boot in der
Mitte handelt es sich, nach der Haartracht zu urteilen, um ein weibliches Wesen. Bei
dem anderen, das hinter einem Dolium zwischen den Füßen der großen weiblichen
Mittelfigur steht, ist dies weniger wahrscheinlich, da es einen Chiton trägt, welcher die
rechte Schulter frei läßt. Offenbar sind also auch hier wieder Eroten und Psychen ge-
meint. In den Wellen tummeln sich hier und da Fische, und links bei der Gruppe mit
dem Dolium sieht man auch zwei Schwimmer, von denen der linke ein Gefäß an Land
bringt, nach dem er wohl getaucht hat und das er den beim Faß Stehenden hinauf-
reicht. Eine ähnliche Gruppe begegnet auch auf dem Kindersarkophag im Museo
Chiaramonti, bei dessen Besprechung wir wieder darauf zurückkommen werden131.

Das große Schiff rechts im Hafen hat seinen Bug, der mit einem muschelblasenden
Triton geschmückt ist, nach rechts gewandt. Das Schiff legt offenbar soeben an. Der
Steuermann erteilt den Ruderern an den Riemen, es sind drei an der Zahl, mit ausge-
streckter Linken seine Befehle. Ein Matrose ist am Bug mit der zum größten Teil
weggebrochenen Takelage beschäftigt. Taue und Ansatzpuntelli von Mast, Rahe und

1911, 157 Anm. 5. Robert, Archäol. Hermeneutik 72f. E. Täubler, RM. 34, 1919, 78.
Reinach, RR. III (1912) 386, 2. K. Lehmann-Hartleben, Die ant. Hafenanlagen des Mittel-
meers (1923) 232 ff. Wirth a. O. 80. Gasdia a. O. Stuhlfauth a. O. 144. R. Hinks, Myth a.
Allegory in anc. Art (1939) 72f. Taf. 11. Calza, Necropoli 129. F. Walter in: Festschr. A.
Rumpf (1952) 137. Colini a. O. 173. Kerenyi a. O. 208ff. Borda a. O. 320f. C. C. Vermeule,
TrAPhSoc. 50, 1960 V 12 Nr. 54 Abb. 22.

127 Vermeule a. O. Abb. 22.

128 Fasciato a. O. 74 ff. Taf. 2.

129 Vgl. jedoch u. Anm. 142.

130 S. o. 135 ff.

131 S. u. 158f.
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