Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 159
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sarkophages nachgewiesen hat, um Polypenfischer, die Gefäße am Meeresgrund aus-
legen, damit die Polypen darin nisten und sich so fangen lassen.

Die andere Figur des Kindersarkophags, die auf dem großen Hafensarkophag
im Belvedere ihre Entsprechung hat, ohne daß man sie genau benennen könnte, ist
die sitzende, etwas größer gebildete männliche Gestalt links oben. Auf 3 sind die
Hände und das, was sie hielten, abgebrochen. Auf 4 scheint der Sitzende unter der
linken Achsel einen gedrehten Stab gehalten zu haben, obgleich die Art und Weise,
wie er ihn hält, nicht völlig deutlich wird. Überdies führt auch dieser Stab zu keiner
Benennung. Diese Übereinstimmungen zeigen nur, daß es außer der Gleichheit der
Mittelgruppen noch andere Verbindungslinien zwischen den beiden Sarkophagen
gibt.

Was bedeutet nun die eigentümliche Gruppe in der Mitte, die formal gesehen
der Gruppe auf der Insel bei 1 und der Grablünette A von 2 und auch der Gruppe
im Hafen von 3 gleich ist, inhaltlich aber insofern abweicht, als an Stelle des Jüng-
lings, der einen Spendetrank in die dargereichte Schale gießt, Fortuna getreten ist,
und wir anstelle der jungen Frau, um die die mittlere den Arm legt, einen Jüngling
sehen, dessen Kopf Porträtzüge erhalten sollte? Nur im Zusammenhang mit den
anderen Beispielen ist diese Frage zu lösen!

5. Die Gruppe der heroisierten Verstorbenen auf den Inseln der Seligen
und ihre Verbindung mit dem Hafenbild.

Viermal begegnet uns auf römischen Denkmälern der späten Kaiserzeit in ver-
schiedenem Zusammenhang die gleiche Gruppe zweier nebeneinander sitzender Fi-
guren, die Kränze tragen und von denen die rechte eine Schale in der ausgestreckten
Hand hält. Dreimal (1. 3.4) tritt zu dieser Gruppe noch eine einschenkende Gestalt
hinzu. Die größte Übereinstimmung der Gruppe findet sich auf 1 und 3, wo die beiden
sitzenden Figuren weiblich sind und von rechts ein Jüngling zu ihnen herangetreten
ist, um mit erhobener Rechten eine Flüssigkeit in die Schale zu gießen. Da der Jüng-
ling im linken Arm einen Weinstock hält, dürfen wir annehmen, daß er Wein in die
Schale gießt. Auf 4 ist die einschenkende Figur eine Fortuna.

Es ist gänzlich unwahrscheinlich, daß das Gemälde in dem Privathaus auf dem
Caelius (1) das Vorbild für den Sarkophag 3 abgegeben hat oder umgekehrt, zumal
wir Abweichungen in Einzelheiten der Kleidung und Bewegung beobachten können.
Es muß ein gemeinsames Vorbild zugrunde liegen, auf das unmittelbar oder über
irgendwelche Zwischenstufen auch die beiden anderen Repliken 2 und 4 zurück-
gehen. Wegen der Übereinstimmung von 1 und 3 müssen wir annehmen, daß diese
das Urbild der Gruppe verhältnismäßig genau wiedergeben. Die Frau mit der Schale
auf 2 verlangt auch nach einer einschenkenden Figur, die hier vielleicht aus Gründen
der Entsprechung zu der rechts anschließenden Lünette fortgelassen wurde. Auf 4
ist an die Stelle des Jünglings eine Fortuna getreten, was sich unschwer als eine späte
Veränderung der ursprünglichen Gruppe erkennen läßt.
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