Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 167
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vierten Denkmal, dem Kindersarkophag im Vatikan, die in bezeichnender Weise den
Erfordernissen angepaßt wurde, wird diese Interpretation bestätigt.

Die in den drei vorliegenden Studien behandelten Denkmäler sind repräsentativ
für die gesamte römische Grabkunst. Auf dem ersten, dem Sarkophag von Velletri,
ist uns ein sehr ausführliches, in sich abgeschlossenes graballegorisches Programm
erhalten, das sich bis in die subtilsten Einzelheiten hinein erklären läßt. In dem zwei-
ten, dem Nasoniergrab, haben wir ein bedeutendes Beispiel der anderen Art von
Grabdenkmälern vor Augen, bei denen die Bilder einzeln zwar eine allegorische Deu-
tung zulassen, aber keine durchgehende zyklische Anordnung besitzen. Die vier in
der letzten Studie behandelten Denkmäler zeigen die Art und Weise, in der mit den
bildlichen Motiven, mit Metaphern, Allegorien und Symbolen bei der Dekoration
von Grabdenkmälern verfahren wird. Verschiedene ursprünglich voneinander un-
abhängige Bildgedanken werden miteinander vermischt und lassen sich nur noch aus
der Motivgeschichte heraus verständlich machen, während sie den Zeitgenossen, die
viele ähnliche Denkmäler vor Augen hatten und in einer bestimmten Vorstellungs-
welt lebten, ohne weiteres verständlich waren. Es spricht sich nämlich in allen Denk-
mälern die a;leiche Grundvorstellun? des Weiterlebens nach dem Tod und der Be-
lohnung der Guten in einem glücklichen Jenseits aus.

So stellen die behandelten Beispiele, die zunächst einzigartig und ungewöhnlich
erscheinen mochten, geradezu typische Beispiele von besonderer Aussagekraft dar,
die uns einen Schlüssel zum Verständnis römischer Grabkunst in die Hand geben.
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