Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 23
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Die um 725
v. Chr. von
einem griechi-
schen Siedler
auf Ischia in
den einfachen
Tonbecher
eingekritzelte
Inschrift spielt
auf den
goldenen
Becher des
Nestor an, den
Homer in der
Ilias beschreibt.

Das eine ist ein auf der Insel Ischia gefundener spätgeometrischer Be-
cher aus Ton, der eingeritzt eine Inschrift trägt22. Hier sind es Inhalt und
Form der Versinschrift, die durch das Gefäß, seine Form und seine Ver-
wendung im Totenkult datiert werden können und damit einen Anhalts-
punkt für die zeitliche Einordnung der Ilias liefern.

Im anderen Fall ist es das plötzliche, gehäufte Auftreten eines neuen
Mythenbildes, und zwar eben des Mythos von der Blendung Polyphems,
das einen Rückschluß auf die Abfassungszeit der Odyssee zuläßt.

Man kann den genannten Becher etwa um 725 v. Chr. datieren, und
da er in einem Brandgrab mit stilistisch einheitlich aus dieser Zeit stam-
mendem Material gefunden wurde, darf man annehmen, daß die In-
schrift schon bald nach der Verfertigung des einfachen Tonbechers ein-
geritzt wurde. Das führt zu einer vor dem letzten Viertel des achten
Jahrhunderts liegenden Entstehungszeit der Ilias, denn die Verse auf

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