Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 34
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Die Vase wurde zunächst mit Hilfe
einer Schnur in 36 Teile, 24 am
Körper und 12 am Hals, unterteilt
und dann nach dem Gesetz der
wachsenden Glieder in 6
Abschnitte für den Sockel, 8 für
die Wandung, 10 für die Schulter
und 12 für den Hals rhythmisiert.
Die einzelnen Streifen wurden
durch eine um die Punktlinien der
Gliederung gezeichnete Gitter-
kette getrennt und in übergreifen-
den Bezügen mit Blattkette,
Zinnenmäander, Hakenmäander,
Treppenmäander gefüllt. Im
Hauptstreifen die Aufbahrung
der Leiche und die silhouetten-
haften Figuren der Trauernden,
am Hals lagernde und äsende
Wildtiere in ihrer Todesverfallen-
heit.

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Vasenform und Dekoration dieses
monumentalen Grabaufsatzes für
ein Frauengrab der Zeit Homers
sind untrennbar aufeinander
abgestimmt. Die Mäanderstreifen
sind nicht beliebig angeordnet,
sondern nach den Gesetzen einer
Großkomposition in eine unver-
rückbare Beziehung gebracht.
Eine vergleichbare Struktur weist
auch die Großkomposition der
Ilias auf: Ihre Teile sind mitein-
ander verklammert.
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