Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 46
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Von den
frühesten
Darstellungen
an, die unter
dem unmittel-
baren Ein-
druck des
Dichtwerks
entstanden,
lassen die
Künstler
Odysseus und
seine

Gefährten den
glühenden
Pfahl waag-
recht ins Auge
des Riesen
stoßen, nicht
senkrecht, wie
es der Dichter
beschreibt.

sich hochgenommen und nähern sich dem betrunkenen Riesen auf Ze-
henspitzen, aber rasch, mit ausgreifenden Schritten. Odysseus am Ende
lenkt und dreht den Pfahl und überträgt mit der den Stumpf umklam-
mernden Hand die Wucht des Trittes, mit dem er sich abstößt, auf den
langen ins Auge des Riesen gerichteten Stecken. Da verliert der Kyklop
das Gleichgewicht, und seine Schenkel fahren in die Höhe, als der Pfahl
ins Auge dringt und der Kopf zurückgestoßen wird. Die Rettungstat ist
gelungen.

Die Figuren des Aristonothos haben immer noch die unausgegliche-
nen Proportionen mit überlangen Beinen, gedrungenem, oben breitem,
zur Taille schmal zulaufendem Rumpf, mit dicken, aber kurzen Oberar-
men und langen Unterarmen, deren Gelenke besonders schlank sind,
wie es auch die altattische und die argivische Vase zeigen. Damit wird die
unterschiedliche Funktion der einzelnen Körperteile angesprochen. Da-
von abgesehen gibt es genügend stilistische und maltechnische Überein-
stimmungen wie die ausgesparten Gesichter, die langen schmalen Bärte
an den ausrasierten Wangen, die Form der Augen und eine gewisse Klo-
bigkeit der Darstellung, um zu erweisen, daß alle diese Vasen aus der
gleichen Generation stammen, die auf das Bekanntwerden der Odyssee

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