Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 65
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facsimile
Fragment der
Odysseus-
Fresken mit
eitler Dar-
stellung des
am Sirenen -
felsen vorbei-
segelnden
Schiff des
Odysseus.
Fotographie
und Aquarell.

die großen Büßer, die sich gegen die Götter vergangen hatten. Drei von
ihnen sind in dem halben Bildfeld dargestellt, in dem sich die düstere
Hadeslandschaft weiter nach rechts fortsetzt. Dieses Bild ist nur halb so
breit wie die anderen, weil sich die Wand, auf der die Fresken angebracht
waren, nun zu einem weiten Durchgang öffnet. Sollte dieser mit einer
Art Tapetentür verschlossen gewesen sein, so könnte sich darauf die Ma-
lerei ohne Unterbrechung fortgesetzt haben, und dort könnte auch Tan-
talos dargestellt gewesen sein, der sonst als einziger der in der Odyssee
erwähnten Büßer fehlen würde.

Andererseits sind in dem halben Bild auch einige Figuren dargestellt,
die in der Odyssee nicht begegnen. Es sind fünf Mädchen, die in Ampho-
ren Wasser holen und in ein Faß ohne Boden schütten, so daß es auf der
linken Seite unten wieder herausfließt. Drei entleeren gerade ihre Gefä-
ße, eine vierte wendet sich zum Gehen. Weiter hinten sitzt eine fünfte
zusammengekauert am Boden und legt ihren Kopf in trostloser Erschöp-
fung solcher vergeblichen Mühe auf das Gefäß, das sie zwischen die
Beine gestellt hat. Auch ohne die griechische Beischrift wüßte man, daß
es die Danaiden sind, die mit der Strafe des ewigen, sinnlosen Wasserho-
lens belegt wurden, weil sie ihre Gatten in der Brautnacht ermordet hat-
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