Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 151
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In der Originalaufstellung konnte man hier, von der
Höhe der Terrasse aus, Odysseus und seinen beiden
Gefährten ins Gesicht sehen und die ungeheure
Anspannung der Rettungstat erleben.

Rückansicht der rekonstruierten Polyphem-Gruppe.
Wegen des schräg noch oben geführten Pfahles steht
Odysseus auf einem Niveau, dessen Höhe derjenigen
der Blendmauer auf dem Podium entspricht.

diesen über den Gruppenumriß geschlagenen Kreisbogen ist über dem
Durchmesser, der als Grundlinie dient, eine Pyramide eingestellt, deren
Spitze der Kegel des Pilos auf dem Haupt des Odysseus bildet. Odysseus
wird damit zum Lenker des Ganzen. Von ihm geht die Kraft aus, die
Polyphem überwindet.

Es ist offenbar die Bändigung der dramatischen, wie ein lebendes Bild
mit hohem Realitätsanspruch gestalteten Gruppe durch eine stereome-
trische Raumstruktur und eine einfache, geometrisch konstruierte Kon-
turlinie, welche die künstlerische Wirkung des Ganzen bedingt.

Auch die Ansicht von hinten, die man - allerdings im Gegenlicht -
von der Höhe der Terrasse in der Nebengrotte herab betrachten konnte,
ist keineswegs vernachlässigt. Da der Weinschlauchträger in dieser An-
sicht verdeckt ist, erscheint die Gruppe hier in ein Parallelogramm ein-
gespannt, in dem die Kraftanstrengung deutlich herauskommt.

Die Bildhauerarbeit ist von überragender Qualität, die auch aus aller
Nähe bewundert werden will. Zu diesem Zweck erlaubt es die Aufstel-

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