Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 211
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1982/0215
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
dem Rücken lagen, erfordert eine Erklärung. Am wahrscheinlichsten ist,
daß der Bau schon unter Wasser abgesunken war, als die Statuen aus ih-
ren Nischen fielen. Nur das Wasser kann ihren Sturz gebremst haben.
Schon vorher war die Wandverkleidung unterspült worden und abge-
rutscht. Die Statuen fielen auf den Schutt und wurden von Sand bedeckt.
Erst dann stürzten die Wände und das Gewölbe ein, deren Teile über der
Schicht lagen, in der die Statuen gefunden wurden.

Da alle Funde und vor allem die Keramik im Nymphäumssaal nicht
später als an das Ende des 3. Jahrhunderts zu datieren sind, scheint die
Katastrophe, die wahrscheinlich nicht plötzlich, sondern langsam statt-
fand, gegen 300 n. Chr. eingetreten zu sein. Um diese Zeit beobachtet
man auch an anderen Stellen der Phlegräischen Felder einen starken
Rückgang aller Lebensäußerungen.266 Später muß die Zone noch ein-
mal aufgetaucht sein, als man, wohl in der ersten Hälfte des 6. Jahrhun-
derts n. Chr., ein Kindergrab im Versturz der Apsis anlegte. Damals war
von dem ehemals prächtigen Gebäude kaum noch etwas zu sehen. Wann
es dann endgültig bis zur jetzigen Tiefe von 7 m abgesunken ist, konnte
noch nicht ermittelt werden.

Bei den Ausgrabungen ließ sich die Art der Inneneinrichtung des Ap-
sidensaales wenigstens in den wesentlichen Zügen ausmachen. An den
Seitenwänden entlang läuft ein 1 m breiter und 55 cm tiefer Kanal, der
ganz mit sorgfältig verfugten weißen Marmorplatten ausgelegt ist und
sich vor der Apsis zu einem 1,55 m breiten Becken erweitert. Dieses an

Das

Trikliniums-
Nymphäum
in der römi-
schen Villa
von Minori
bietet eine
ähnliche
Anordnung
der Speise-
Sofas wie das
Nymphäum
von Baiae.

211
loading ...