Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 216
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phäum, das als ein rein künstliches Gebilde ohne die geringste Illusion
einer natürlichen Grotte gestaltet ist, wurde nicht eine plastische Poly-
phem-Gruppe aufgestellt, die durch ihren Realitätsgehalt möglicher-
weise unpassend gewirkt hätte, es wurde aber auch kein illusionistisches
Mythenbild wiedergegeben, vielmehr wurde in dem funkelnden Mosaik
eine offenbar berühmte hellenistische Bronzegruppe zitiert, deren
Nachwirkung man von Ephesos bis Baiae und darüber hinaus immer
wieder antrifft.

Stellt dieses Nymphäum im Goldenen Haus des Kaisers Nero einen
Seitenweg der Entwicklung in Richtung auf die Kunstwelt mitten in der
Natur dar, wie sie in der Villa Hadriana gestaltet wird, so ist das Ninfeo
Bergantino bei Castel Gandolfo am Albaner See unterhalb der päpstli-
chen Sommerresidenz, die auf den Mauern der Domitians-Villa ruht,
eher als ein Rückgriff, als ein Wiederanknüpfen an die Tradition von
Sperlonga und Baiae anzusehen.

Man280 hat dieses Nymphäum treffend als eine Transposition der
Grotte von Sperlonga bezeichnet. Leider ist es noch nicht vollständig
ausgegraben, so daß man die Inneneinteilung noch nicht genau deuten
und auch den ursprünglichen Aufstellungsort einer Polyphem- und einer
Skylla-Gruppe nicht sicher bestimmen kann, die schon 1841 hier gefun-
den und in die Papstvilla nach oben gebracht worden waren, wo die er-

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