Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 239
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Werk ist die rundplastische Skylla-Gruppe aus der Villa Hadriana un- Rechte
gleich bedeutender als die Tischfuß-Skylla. Bemerkenswert ist jedoch, derSkylla
aufweiche Weise der Steinmetz dieses Werk den extremen Bedingungen Abb. s- 237 ■
des Tischfußes angepaßt hat. Er hat sowohl der Schmalheit der Vorder-
kante als auch der Länge der Seiten Rechnung getragen: Die beiden der
Länge nach hingestreckten Gefährten des Vorbildes schob er überein-
ander und verschmolz die drei mittleren Hundeprotomen zu einer einzi-
gen. Die beiden Hunde an den Flanken wandte er nach vorne und gab
ihnen abgerissene Gliedmaßen in die Mäuler. An den Langseiten rin-
gelte er die Fischschwänze mit breiter Fächerflosse unter dem Flossen-
schurz hervor, zog sie in die Länge und hängte in die Windungen den Ge-
fährten in ähnlicher Weise, wie er wohl auch im Vorbild dargestellt war.
Daß der Leib des Unglücklichen von der Marmorwand des Tischfußes
durchschnitten wird und auf der einen Seite der Oberkörper, auf der an-
deren der Unterkörper aus der Marmorwand herauskommt, hat er dabei
in Kauf genommen. Das mag als eine extreme Lösung angesehen wer-
den. Es zeigt aber, daß die Künstler dieser Zeit vor keinem Mittel zu-

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