Andreae, Bernard  
Odysseus: Archäologie des europäischen Menschenbildes — Frankfurt a.M., 1982

Seite: 241
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dem Spiegelkasten in Berlin hinausgeht. Da man aber nicht sicher sagen
kann, ob das Original der Skylla-Gruppe aus der Villa Hadriana dem
Tonmodell unmittelbar zum Vorbild gedient hat, ergibt dieser nicht
mehr als einen terminus ante quem für die hier dargestellte Komposi-
tionsform.

Eine genauere Datierung aufgrund von Stilvergleichen ermöglichen
zwei schon öfter erwähnte datierte Skulpturengruppen. Einmal das
Kleine Attalische Weihgeschenk303, dessen Amazone sich nach Ge-
sichtsform, Anlage der Haare und Augenbildung unmittelbar zum Ver-
gleich mit dem Fragment vom Kopf der Skylla anbietet. Auf der anderen
Seite die Kultgruppe der Despoina von Lykosoura304, bei der die als
Trägerinnen der Armlehnen am Thron dienenden Tritoninnen unserer
Skylla in Haltung und Körperbildung erstaunlich gleichen. Beide Werke
sind um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren.305 Diese Verglei-
che führen zu einer Ansetzung des Skylla-Originals in die zweite Hälfte
des 2. Jahrhunderts v. Chr. Ein solcher Ansatz stimmt mit der auf ande-
ren Wegen zu gewinnenden Datierung der Laokoon-Gruppe in die Zeit
nach der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. überein, was deshalb beson-
ders wichtig erscheint, weil bisher kaum ein anderes hellenistisches
Bildwerk bekannt geworden ist, das dem Laokoon in vielen Einzelheiten
der Gesichts- und Körperbildung stilistisch näher verwandt wäre als
etwa der Kopf des Skylla-Opfers im Vatikan oder der diesem zugehörige
Rumpf aus der Villa Hadriana.

Zwei um die
Milte des 2.
Jahrhundert v.
Chr. datierte
Skulpturen,
eine Tritonin
vom Thron der
Despoina von
Lykosura in
Athen und eine
Amazone aus
dem Kleinen
Attalischen
Weihgeschenk,
bieten einen
stilistischen
Anhaltspunkt
zur Datierung
des Originals
der Skylla-
Gruppe aus
der Villa
I ladriana in
jüngerhelleni-
stische Zeil.

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