Andreae, Bernard  
Die Symbolik der Löwenjagd: [d. Vortrag wurde am 23. Mai 1984 in Düsseldorf gehalten] — Opladen, 1985

Seite: 15
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1985/0017
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Die Symbolik der Löwenjagd

15

aufbewahrt wird. Dieser Sarkophag ist, noch vor der Entdeckung des Fragmen-
tes in Chapel Hill, von Dieter Ohly skizzenhaft rekonstruiert worden (Textabbil-
dung l)52.

Erhalten ist die linke Seitenwand (Taf. 1.8) mit einem rd. 40 cm breiten Streifen
von der Frontseite des Reliefs. Hier sieht man ein Pferd mit dem Vorderkörper hin-
ter dem Eckpilaster hervortreten, den man wie auf der linken Nebenseite zu einem
Torbogen ergänzen muß. Das Pferd, dem nur ein schmaler Raum zugemessen ist,
wird von einem mit gegürteter knielanger Tunika, bis zu den Waden herabhängen-
dem Mantel und Fellstiefeln bekleideten Mann am Zügel geführt, dessen Kopf,
Schultern und die ganze linke, vom Beschauer aus rechte Seite abgebrochen sind.
Dieser Mann hielt mit der linken Hand einen Speer quer vor dem Körper, wie ein
Bruchrest vor seinem rechten Fuß und ein Ansatz auf dem Knie, am Gewandsaum,
bezeugen. Im zweiten Münchner Fragment (Taf. 2) sind der reitende Jagdherr und
von der linken Seite einer Virtus noch der Schulterbausch und ein schmales Stück
des knielangen Chitons sowie die linke Hand bruchstückhaft erhalten. Der Jagd-
herr schwang eine Tanze, deren Ansatz auf der Brust noch zu erkennen ist. Der
Kopf ist zur Hälfte abgebrochen, war allerdings, als das Fragment von der Münche-
ner Glyptothek erworben wurde, in Gips ergänzt (Taf. 2). Diese Gipsergänzung ist
so erstaunlich gut getroffen, daß hier ein besonderes, noch genauer zu behandeln-
des Problem liegt.

Das dritte Münchener Fragment (Taf. 5) zeigt die rechte Nebenseite und ein
unten 45 cm, oben 30 cm breites Stück der Frontseite. Hier ist die eindrucksvolle
Figur eines bis auf die Chlamys nackten Jägers zur Hälfte erhalten, dessen Kopf mit
„dem wahrhaft steinernen Ernst“53 der Gesichtszüge die hohe Qualität dieses Sar-
kophages am besten erkennen läßt. Der Jäger hielt den Jagdspeer in der Finken,
dessen unterer Teil noch vor dem linken Bein erhalten ist. Mit der Rechten holte
er vor der Brust her zu einem Schwerthieb aus. Ein Stück der Schwertklinge ist
über seinem Kopf zu sehen, und am rechten oberen Reliefrand erkennt man den
Puntello, der die Hand mit dem Schwertgriff unterstützte. Zu Füßen des nach
rechts ausfallenden, zurückblickenden Jägers liegt eine Föwin mit glühenden
Augen. Eine Speerspitze ragt ihr aus der Brust. Die Zunge hängt aus dem geöffne-
ten Rachen.

Auf der Nebenseite (Taf. 9) führt ein Jäger mit Krummholz in der Rechten ein
Pferd heran.

Diese drei Fragmente in München werden, wie gesagt, durch ein viertes in
Chapel Hill (Taf. 3.6-7)54 ergänzt, in dem der Vorderkörper des galoppierenden

52 D. Ohly, Müjb 24, 1973, 239ff. Abb. 2. - Ders., Glyptothek München, Griechische und römische

Skulpturen (1972) 97 Abb. 28.

53 ASRI2, 65.

54 ASRI2, 62 ff. Anm. 315.
loading ...