Andreae, Bernard  
Die Symbolik der Löwenjagd: [d. Vortrag wurde am 23. Mai 1984 in Düsseldorf gehalten] — Opladen, 1985

Seite: 19
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1985/0021
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Die Symbolik der Löwenjagd

19

Puntello erhalten (Taf. 7,1), der in der gleichen Ebene endet wie der unter dem
Pferdebug in einem kleinen Stück noch erhaltene Reliefgrund. Für einen Löwen-
körper wie beim Sarkophag in der Villa Medici (Taf. 25) ist hier kein Raum vorhan-
den und das Pferdebein griff erst recht nicht so weit aus dem Grund nach vorne wie
beim Sarkophag Mattei II (Taf. 23). Es muß vielmehr unmittelbar auf dem leeren
Reliefgrund von dem Puntello gestützt worden sein. Das bedeutet, daß neben oder
unter dem Pferd kein fliehender Löwe dargestellt war, sondern daß auch bei diesem
Sarkophag wie bei den meisten Löwenjagdsarkophagen der Zusammenprall fron-
tal erfolgte. In diesem Fall muß die Tatsache, daß in der rechten unteren Ecke keine
Löwentatze zu sehen ist, bedeuten, daß der im Sprung heransetzende Löwe schon
über die Ecke hinausgeprescht ist. In der Tat ist dies bei einigen Sarkophagen seit
den siebziger Jahren des 3. Jahrhunderts der Fall. Dabei sind nicht etwa Wannen-
sarkophage wie der Wiener65 gemeint, bei denen die Jagdszene von Tierkampf-
gruppen an den umbiegenden Seiten gerahmt wird, sondern Sarkophage mit
zusätzlichen Jagdszenen am rechten Rande wie die in Palermo (Taf. 30,l)66 oder
Viterbo (Taf. 30,2)67, Vatikan68, Villa Doria69, Cimitero Maggiore (Taf. 30,3)70,
Spoleto (Taf. 31,2)71, S. Sebastiano72, S. Callisto73, Leningrad74, Hever Castle
(Taf. 31,l)75 und vor allem ein Sarkophag mit ähnlicher Typologie in der Via Poli
in Rom (Taf. 28.29)76, von dem zwar nur der untere Rand erhalten ist, der aber doch
die Figurenabfolge genau erkennen läßt. Links vom Paar des Jagdherrn und der
Virtus stand hier noch ein Pferdeführer, der Löwe war 46 cm weit vom rechten
Rand ins Bildfeld gerückt, also genau so weit wie der Bruchrand beim Münchener
Fragment (Taf. 5) von der rechten Bildkante entfernt ist.

Der fragmentierte Sarkophag in der Via Poli (Taf. 28.29), dessen beide Fragmente
zusammen schon 1,82 m lang sind, muß ursprünglich mindestens 2,80 m lang und
1,30 m hoch gewesen sein. Das sind die gleichen Maße, die man auf verschiedenen
Wegen auch für den Münchener Sarkophag errechnen kann. Als Faustregel für die
monumentalen Sarkophage des 3. Jahrhunderts n. Chr. darf gelten, daß sie etwa
doppelt so lang wie hoch sind. Danach wäre der Münchener Sarkophag wenigstens
2,60 m lang gewesen. Einen gestreckt heranspringenden Löwen würde man aller-

65 ASRI2, Kat. 248.

66 ASRI2, Kat. 64.

67 ASRI2, Kat. 264.

68 ASRI2, Kat. 241.

69 ASRI2,Kat. 180.

70 ASRI2, Kat. 78.

71 ASRI2, Kat. 208.

72 ASRI2, Kat. 150.

73 ASRI2, Kat. 101.

74 ASRI2, Kat. 45.

75 ASRI2, Kat. 35.

76 ASRI2, Kat. 170.
loading ...