Andreae, Bernard  
Die Symbolik der Löwenjagd: [d. Vortrag wurde am 23. Mai 1984 in Düsseldorf gehalten] — Opladen, 1985

Seite: 33
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Die Symbolik der Löwenjagd

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Ein wesentlicher Begriff, der mit Roma spätestens seit der frühen Kaiserzeit ver-
bunden war, ist Aetemitas122. Es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß es die
Ideologie der Roma aetema war, die zu der oben beschriebenen Verschmelzung
von Virtus und Roma in der Begleitfigur des römischen Kaisers seit Domitian
zumindest beigetragen hat. Auch wenn die Aetemitas als Praerogative des Kaisers
unter Trajan nur in sehr vorsichtiger Weise ausgewertet wird123 und Plinius der
Jüngere in seinem Panegyricus124 lieber das Wort Perpetuitas verwendet, das aber
schließlich mit Aetemitas synonym ist, so ist doch ganz eindeutig, daß auch unter
Trajan die Aetemitas durch den Princeps verbürgt wird. Die Problematik, ob dem
Princeps als Person oder dem Imperium die Aetemitas eigne, hat möglicherweise zu
der Vielschichtigkeit beigetragen, die man in der amazonenhaften Personifikation
vor dem Kaiser auf dem großen Schlachtenfries erkennen muß.

Wenn nun einige besonders monumentale römische Löwenjagdsarkophage die
ruhige, amazonenhafte Gestalt der mit dem Prädikat aetema ausgestatteten Virtus-
Roma an die Stelle der den Jagdherrn im Laufschritt begleitenden, einfachen Virtus
sezten, dann scheinen sie eben diesen vielschichtigen Sinn in das Grabdenkmal hin-
eingelegt zu haben, den die Personifikation mitbringt: Durch die Überwindung des
Todes im Tode mit Hilfe seiner Virtus gewinnt der Grabinhaber die gleiche Aeter-
nitas, die in der Rom-Idee garantiert ist125.

Es ist nun ein denkwürdiges Faktum, daß der zweiszenige Typus der Löwenjagd-
sarkophage, man darf sagen, schlagartig im gleichen Augenblick verschwindet, in
dem der große Schlachtenfries vom Trajansforum von Kaiser Konstantin gleich-
sam mit Beschlag belegt wird, als man das gewaltige Relief zwischen 313 und 315
am großen Ehrenbogen dieses Kaisers einmauert.

Den letzten bisher bekannt gewordenen Löwenjagdsarkophag in S. Elpidio
(Taf. 31,3) habe ich früher126 vorschlagsweise in die Jahre unmittelbar nach dem
Konstantinsbogen zu datieren versucht, aber Dagmar Stutzinger hat mich davon
überzeugt, daß der Sarkophag auch kurz vor diesem Werk entstanden sein kann. In
einer über längere Zeit geführten förderlichen Diskussion sind wir zu dem Ergeb-
nis gekommen, daß mein Vorschlag 315-320 besonders unter Berücksichtigung der
spätantiken Reliefs am Konstantinsbogen zu spät, ihr Vorschlag127 um 300 unter

122 H. U. Instinsky, Kaiser und Ewigkeit, Hermes 77, 1942, 313-355, wiederabgedruckt in: Ideologie
und Herrschaft in der Antike, hrsg. von H. Kloft, Wege der Forschung 528 (1979) 416-472, beson-
ders 419 f.

123 Instinsky a. O. 436f.

124 Panegyricus 94,1. - Vgl. H. Temporini, Die Frauen am Hofe Trajans (1978) 55.

125 Auf anderen Sarkophagen ist es die Lupa Romana, die als sepulkrales Motiv die Assoziation der
Aetemitas auslösen soll. Vgl. K. Schauenburg, Jdl 81, 1966, 261-309.

126 ASRI2, 88 ff. zu Kat. 204.

127 D. Stutzinger, Die frühchristlichen Sarkophagreliefs aus Rom. Untersuchungen zur Formverände-
rung im 4. Jh. n. Chr. (1982) 38.
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