Andreae, Bernard  
Plinius und der Laokoon — Mainz am Rhein, 1987

Seite: 16
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BERNARD ANDREAE

es keinerlei Hinweis darauf gibt, daß der Sohn dieses Paio-
nios, Hagesandros, Bildhauer war, ist das Argument auf je-
den Fall wertlos. Bei der Gleichsetzung von Namen mit an-
derweitig bekannten historischen Persönlichkeiten sollte
man bedenken, daß bei den sechs Persönlichkeiten, welche
die Inschrift von Sperlonga nennt, nur vier verschiedene
Namen begegnen. Von den drei erwähnten Künstlern trägt
nur Athanadoros einen Namen, der in dieser gleichen In-
schrift nicht noch einmal vorkommt; dabei war Athanado-
ros ein in Rhodos besonders beliebter Name. Bei einer so
häufigen Streuung gleicher Namen können die Kriterien
für eine Gleichsetzung von Namen mit bestimmten Per-
sönlichkeiten nicht streng genug bewertet werden. Die
kunstgeschichtliche Verwirrung der Laokoon-Forschung
wird sonst perpetuiert. E. E. Rice macht übrigens selbst sol-
che methodischen Einwände gegen ihre Argumentation,
beherzigt sie aber zu wenig. So kann man ihr nur Recht ge-
ben, wenn sie zum Schluß (a. O. 250) erklärt: „The debate
is not yet over".

B. Andreae - B. Conticello, Skylla und Charybdis. Zur
Rekonstruktion der Skylla-Gruppe von Sperlonga. Abh-
Mainz 1987 (im Druck).

Andreae, Odysseus 111-154. — Das schlagende Argument,
weshalb man die Polyphem-Gruppe als Kopie ansehen
muß, bietet ein Vergleich der Kopfrepliken in Sperlonga
und aus der Villa Hadriana mit numerierten Locken, a. O.
135; AntPl 14 (1974), Andreae Abb. 5-12.
Andreae, Odysseus 167-176. — Wer durch den dort durch-
geführten Vergleich der Odysseus-Statue von Sperlonga
mit den Torsen im Museo Nazionale Romano (von der Via
Margutta) und im Palazzo Mattei nicht überzeugt ist, daß
es sich um Repliken eines gemeinsamen Bronzeoriginals
handelt, beachte, daß in den Haaren des Diomedes in Sper-
longa (AntPl a. O. Taf. 38-40) zahlreiche Meßpunkte ste-
hengelassen wurden, ein untrügliches Zeichen, daß es sich
um eine mit dem Dreipunktverfahren gearbeitete, exakte
und maßgleiche Kopie handelt.

Andreae, Odysseus 160-167. — Den schlagenden Beweis,
daß auch die Pasquino-Gruppe in Sperlonga nicht ein Ori-
ginal ist, bietet die Umarbeitung des linken nachschleifen-
den Fußes beim Leichnam in Sperlonga, der dadurch vom
Patroklos des Originals in einem Achill mit durchschosse-
ner Achillessehne verwandelt wurde. Vgl. AntPl 14 (1974),
Conticello Abb. 47.

U. Hausmann (Aias mit dem Leichnam Achills. Zur Deu-
tung des Originals der Pasquino-Gruppe, AM 99, 1984,
291-300) hat diesem Umstand bei seiner Neudeutung der
Pasquino-Gruppe nicht genügend Rechnung getragen. Da
die Replik von Sperlonga die einzige Variante darstellt,
kann das Original nicht Achilles, sondern es muß Menelaos
mit dem Leichnam des seiner Waffen beraubten Patroklos
dargestellt haben.

Da an manchen der vierkantigen Stützen in Sperlonga Spu-
ren von Bemalung in schwarzer Farbe erhalten sind, waren
sie nicht zur Sicherung während des Transportes bestimmt
und sollten nicht abgearbeitet werden.

26 F. Zevi - B. Andreae, Gli scavi sottomarini di Baia, PP 203,
1982, 114-156; Baia. II ninfeo imperiale sommerso di Punta
Epitaffio (1983); Andreae, Odysseus 91 -102; ders., Die Sta-
tuen aus dem Kaiserpalast von Baiae. Archäologische For-
schungen auf dem Meeresgrund. Bild der Wissenschaft 12,
1984, 40-51; ders., „L'antro del Ciclope". Scoperte nel
Ninfeo di Baia. Archeo 16, 1986, 22-29.

27 Andreae, Odysseus 194.

28 F. Brein, Zum Laokoon, in: Classica et Provincialia. Fest-
schrift Erna Diez (1978) 33-38, der allerdings zu einer mit
den Ergebnissen der Sperlongaforschung nicht überein-
stimmenden Datierung in die Zeit zwischen 71 und 77
n. Chr. kommt; B. Andreae, II gruppo del Laocoonte, Se-
meion tes Iliou haloseos, RendPontAcc 1986 (im Druck).

29 Andreae a. O.; ders., Das Schicksal des Laokoon, Vorträge
Betontag 1985 (Köln) 41-60.

30 B. Andreae, L'imperatore Claudio a Baia, in : Baia, II ninfeo
imperiale sommerso di Punta Epitaffio (1983) 67-71.

31 B. Andreae, Das Schicksal des Laokoon, Vorträge Betontag
1985 (Köln) 45 Bild 5.

32 B. Andreae, Laokoon und Lykophron. Zur Bedeutung der
Laokoon-Gruppe in hellenistischer Zeit, in: Studien zur
Klassischen Archäologie — Festschrift zum 60. Geburtstag
von Friedrich Hiller (1986) 123-141; ders., Ii gruppo del
Laocoonte, Semeion tes Iliou haloseos, RendPontAcc 1986
(im Druck).

33 Plin. NH 35,100: pinxit (sc. Aristides Thebanus) et aegrum
sine fine laudatum tantumque arte valuit, ut Attalus rex
unam tabulam eius centum talentis emisse tradatur.

34 s. die Einleitung zu der Anm. 1,3 zitierten italienischen
Neuausgabe S. LX.

35 Ausdrücklich genannt für das 9. Jahrhundert werden: Cor-
bie, Saint-Denis, Lorsch, Reichenau, Bobbio und Montecas-
sino, im 12. Jahrhundert sind es sehr viel mehr. Noch heute
sind ca. 70 Handschriften erhalten, die vor dem 14. Jahr-
hundert kopiert wurden.

36 s. die Einleitung zu der Anm. 1,3 zitierten italienischen
Neuausgabe S. LXV.

37 Von Cristoforo Landino stammt auch der erste neuzeit-
liche Kommentar zur Aeneis Vergils, wo in Buch II die aus-
führlichste literarische Darstellung des Laokoon-Mythos
erhalten ist. Erst die Kombination der Plinius-Notiz NH
36,37 mit der epischen Darstellung dürfte zu dem im fol-
genden Absatz zu besprechenden Auftrag an Filippo Lippi
geführt haben.

38 M. Winner, Zum Nachleben des Laokoon in der Renais-
sance, JbBerlMus 16, 1974, 84 ff. Abb. 1 (Freskofragment)
Abb. 2 (Entwurfszeichnung); Daltrop, Laokoongruppe 11
Abb. 4 (Entwurfszeichnung).

39 B. Andreae, Die Entdeckung des Laokoon. Über einen Satz
des Plinius und seine wahre Bedeutung. Frankfurter Allge-
meine Zeitung Nr. 170, 26. Juli 1986, Beilage. — Vgl.
Anm. 14.
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