Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 33
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facsimile
28 Kopf eines Galliers,
aus Gizeh, Kairo, Ägypti-
sches Nationalmuseum.
(Nach Gipsabguß in Göt-
tingen, Archäologisches
Institut.)
Das Kopffragment aus ei-
nem Denkmal Ptolemäus'
II. erinnert an die Nieder-
schlagung eines Aufstan-
des der gallischer Söldner
in Ägypten im jähre
275 v. Chr.

maiosIL, als Horus-Apollo, überwundene »vermes-
sene Volk« der Gallier »spätgeborene Titanen«38.
Dabei nahm er absichtlich die häufige Verwechs-
lung von Titanen und Giganten in Kauf, weil in der
Bezeichnung Titanen eine Anspielung auf das Ti-
tanweiß (Titanos: in der Antike wahrscheinlich
Gips) enthalten ist, mit dem die Gallier ihre Haare
zu steifen Büscheln aufbürsteten. Der Vergleich der
Gallier mit den Giganten drängte sich den Zeitge-
nossen der großen Auseinandersetzungen mit die-
sem Volk, das für alle gleich furchtbar war, offen-
sichtlich von selbst auf.

Von dem Gallierkopf in Kairo (Abb. 28) über die
großen Attalischen Gallier (Abb. 24—27) bis zu den
Giganten des Pergamonaltares (Abb.22, 23) sieht
man nun eine Entwicklungslinie sich hinziehen, die
gleichwohl nicht ohne bestimmte weitere Einflüsse

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