Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 35
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18 Kopf des Laokoon.

51 Kopf des Giganten, dem tragen die Giganten am Pergamonaltar oft ei-
Detail (Abb. 49). nen Vollbart wie die großen griechischen Vatergott-
heiten.

Der Typus des Klytios40 (Abb. 22) oder des isoliert
gefundenen Gigantenkopfes41 (Abb.23), der im
Laokoon-Kopf (Abb. 18) wieder aufgenommen
wird, kann also nicht einfach als eine Weiterent-
wicklung des in der hellenistischen Kunst gestalte-
ten Erscheinungstypus der Gallier verstanden wer-
den, obgleich er diesen voraussetzt, sondern der
Schöpfung dieses Gigantentypus muß noch ein an-
derer Einfluß zugrundeliegen. Neueste Forschungen
erlauben es, diesen Einfluß genau aufzuzeigen. Es
ist das künstlerische Genie des Mannes, den die an-
tike Kunstkritik neben die größten griechischen
Bildhauer der hohen und späten Klassik stellte, der
aber trotzdem bis vor kurzem ein Unbekannter
blieb, bis 1969 in Ostia jene oben schon erwähnte
Inschrift42 (Abb. 8) gefunden wurde, die mit vier
kurzen Worten sagt, daß es Phyromachos war, der
das Bildnis des Philosophen Antisthenes schuf: AN-
T1STHENES PH1LOSOPHOS PHYROMACHOS
EPOIEI las man auf einer Basis, bei der die zugehö-
rige Skulptur leider, wie alle Bronzewerke aus
Ostia, verloren ist.

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