Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 38
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sthenes vorstellen muß, lehrt eine Terrakottastatu-
ette aus Pompeji in Neapel (Abb. 32). Zum ersten
Mal lernte man die Handschrift des berühmten
Meisters kennen, oder anders, man konnte endlich
dem Meister eines bahnbrechenden Werkes des eu-
ropäischen Porträts einen Namen geben und in dem
langen wissenschaftlichen Streit darüber, ob das
Antisthenesporträt noch zu Lebzeiten des Philoso-
phen, also vor 365 v. Chr., entstanden oder ein lange
nach seinem Tode geschaffenes historisierendes Ide-
alporträt sei, die Waagschale zugunsten der letz-
teren Möglichkeit neigen. Das Porträt wird nun
von der Mehrzahl der Forscher als ein charakteristi-
sches Werk des hohen Hellenismus der ersten Hälf-
te des zweiten Jahrhunderts v. Chr. angesehen. Der

33 Kopfreplik des
Sokrates-Porträts, Neapel,
Nationalmuseum.
Vom Bildnis des Sokrates
(ca. 470-399 v. Chr.)
übernimmt Phyromachos
für sein Idealbild des
Antisthenes die satyrhafte
Knolligkeit und die
Form des Bartes.

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