Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 52
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sammenhang mit der Neueinrichtung des Festes der
Nikephorien durch Eumenes II. im Jahr 182 v. Chr.
gestanden haben muß. Wahrscheinlich war der
Wiederaufbau des Athenatempels damals abge-
schlossen. Doch auch wenn es sich nur um das Fest
der Grundsteinlegung des neuen Tempels gehandelt
hätte, dürfte soviel sicher sein, daß der Asklepios-
tempel erst nach dem Athenatempel gebaut wurde,
was bedeutet, daß seine Bauzeit in die siebziger
Jahre des zweiten Jahrhunderts fällt.
In der gleichen Zeit müßte dann auch das Weihe-
bild des Asklepios geschaffen worden sein. Ein stili-
stischer Vergleich zwischen den drei sicher bekann-
ten Werken des Phyromachos, nämlich dem Anti-
sthenesporträt (Abb. 7, 30, 31), dem Asklepios
(Abb. 5, 38, 39) und dem Giganten aus dem Kleinen
Attalischen Weihgeschenk (Abb. 49) bestätigt die-
ses Datum. Das späteste Werk der Reihe, der Gi-
gant (Abb. 51,52), ist stilistisch so weit fortge-
schritten, daß man ihn geraume Zeit vom Asklepios
abrücken muß, der selbst wiederum später als das
Antisthenesporträt (Abb. 7, 30, 31) zu datieren ist.
Einen zeitlichen Anhaltspunkt für das Antisthene-
sporträt gibt es nicht, doch ist es unwahrscheinlich,
daß es mehr als eine Generation vor dem Giganten
entstanden ist. Das letztgenannte Werk wurde of-
fensichtlich erst nach dem Sieg über die Gallier (166
v. Chr.) geschaffen. Rechnet man von diesem Da-
tum zurück, so wird klar, daß das Antisthenespor-
trät nicht vor dem Beginn des zweiten Jahrhunderts
v. Chr. entstanden sein kann. Bestätigt wird dies
durch die Nachricht''1, daß ein Bildhauer namens
Nikeratos, mit dem Phyromachos in Delphi, Kyzi-
kos und Pergamon gemeinsam Kunstwerke signiert
hat, ein Bildnis des Königs Eumenes II. schuf, der
erst 197 v. Chr. an die Regierung kam.
Das Geflecht dieser sporadisch überlieferten Daten
gibt eine sichere Grundlage für die Datierung des
Asklepios in die siebziger Jahre des zweiten Jahr-
hunderts v. Chr. ab.

Das ist deshalb so bedeutungsvoll, weil man jüngst

52

30 Kopfreplik des
Antisthenes-Porträts.
39 Kopfreplik des
Asklepios des Pbyroma
chos.

51 Kopf des Giganten,
Detail (Abb. 49).
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