Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 53
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1991/0052
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
43 Pergamonaltar, Ber-
lin, Pergamonmuseum.
Der Pergamonaltar ist das
Siegesmal für die Vernich-
tung der Gallier im Jahre
166 v. Chr. Im Stil folgen
die Reliefs dem bahnbre-
chenden Werk des Phyro-
machos.

durch eine Kombination von Beobachtungen über
den Arbeitsvorgang und über die Steinmetzinschrif-
ten am Pergamonaltar zu dem Ergebnis62 gekom-
men ist, daß die früher angenommene Errichtungs-
zeit des Pergamonaltars zwischen ca. 180 und 160
v. Chr. in Wahrheit auf das Jahrzehnt zwischen 166
und 156 v.Chr. eingegrenzt werden muß.63 Das
spätere Datum wird auch durch die Untersuchung
der Keramik gesichert, die im Fundament des Per-
gamonaltars gefunden wurde.64 Der Pergamonaltar
(Abb. 43) ist also erst nach den beiden früheren
Werken des Phyromachos, nämlich dem Antisthe-
nesporträt und dem Asklepios, entstanden. Diese
Werke des Phyromachos zeigen aber schon eindeu-
tig die stilistischen Eigenarten, die man bisher als
eine schöpferische Leistung der Meister des Perga-
monaltares angesehen hat. Ihnen stand hingegen
das Werk des Phyromachos schon vor Augen. Die-
ser Meister aus Athen muß als der eigentliche
Schöpfer des pergamenischen Hochbarock gelten.
Verständlich wird dies aber nur, wenn man die
Schöpfung dieses Stils auch als eine Leistung des
Auftraggebers, das heißt des pergamenischen Hofes
betrachtet, der eine bestimmte Richtung des allge-
mein-griechischen Stils im frühen zweiten Jahrhun-
dert v. Chr. und besonders des attischen Bildhauer-
stiles ausschließlich gefördert, um nicht zu sagen
geradezu als verbindlich erklärt hat.

L
loading ...