Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 59
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schickt aufgebaute Genealogie erschienen sie auf
der einen Seite als Nachfahren des größten griechi-
schen Helden und auf der anderen durch dessen
Witwe auch als Abkömmlinge des größten trojani-
schen Helden. Durch Neoptolemos waren sie mit
den Griechen, durch Andromache mit den Troja-
nern und durch diese auch mit deren Nachfahren,
den Römern, blutsverwandt.

Pergamon und die Römer

Als sich der seleukidische König von Syrien, Antio-
choslll., der auch den Großteil Kleinasiens be-
herrschte, nicht mit der durch die Schlacht auf den
Hundsköpfen geschaffenen Lage abfinden wollte
und 192 v.Chr. einen Krieg gegen die Römer in
Griechenland begann, war es nur folgerichtig, daß
sich die Pergamener auf die Seite der Römer stell-
ten. In der Schlacht von Magnesia 189 v.Chr. war
es wieder die pergamenische Kavallerie unter dem
Prinzen Attalos, die die Entscheidung herbeiführte.
Im Frieden von Apameia 188 v.Chr. wurde den
Pergamenern zum Dank für ihre entscheidende
Waffenhilfe von den Römern fast ganz Kleinasien
zugesprochen. Das Reich von Pergamon erlebte
seine größte Ausdehnung, aber es wurde immer
mehr von Rom abhängig. EumenesII. erkannte,
daß Rom übermächtig wurde, wenn Makedonien
völlig ausgeschaltet war. Während er bei Kynos-
kephalai 197 v.Chr. und bei Magnesia 189 v.Chr.
noch ohne Einschränkung auf Seiten der Römer
mitgekämpft hatte, wurde er im entscheidenden
Krieg gegen Perseus von Makedonien 172—168
v. Chr. schwankend und versuchte, einen vorzeiti-
gen Frieden herbeizuführen. Er wollte Makedonien
vor dem Untergang bewahren, den die Römer
gleichwohl in der Schlacht von Pydna 168 v.Chr.
besiegelten. EumenesII. sah sich plötzlich den Rö-

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