Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 61
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ihm als Feldherr entscheidende Dienste leistete und
nach seinem Tode die Herrschaft bruchlos und
glücklich fortführte, bis er sie schließlich, nach
zwanzig Jahren eigener Herrschaft, an den letzten
Attaliden (Abb. 48) weitergab, von dem nie klar ge-
worden ist, ob er ein Sohn Eumenes' II. oder gar
Attalos'11. selbst war. Dies zeigt noch einmal, daß
die beiden Brüder Eumenes II. und Attalos II. unver-
brüchlich zueinander hielten und dadurch die in-
nere Sicherheit des Reiches garantierten, während
sie mit den äußeren Feinden durch Diplomatie und
Tapferkeit fertig wurden.

An äußeren Feinden hat es Pergamon nie gefehlt.
Das lag schon an der Art und Weise, wie die Stadt
mit Hilfe des usurpierten makedonischen Staats-
schatzes groß geworden war. Die Diadochenstaaten
der Antigoniden und Seleukiden waren deshalb von
vornherein Pergamons natürliche Gegner, aber
auch die angrenzenden Staaten Bithynien und Pon-
tos waren dem Staate nicht wohlgesinnt, der sich
aus kleinsten Anfängen zu einem großen Reich aus-
zudehnen drohte. Am gefährlichsten aber wurden
den Pergamenern die Gallier, die sie nach mehr als
hundertjähriger Auseinandersetzung erst im Jahre
166 v.Chr. endlich vernichten konnten. Damals
weihten sie ein vielfiguriges Weihgeschenk und Sie-
gesmal69 auf die Akropolis von Athen, das Pau-
sanias (1, 25, 2) bei seinem Besuch von Attika in
den vierziger Jahren des zweiten Jahrhunderts
n.Chr. folgendermaßen beschreibt: »An der Süd-
mauer hat Attalos den Kampf gegen die Giganten,
die einst in Thrakien und auf der Halbinsel Pallene
wohnten, und den Kampf der Athener gegen die
Amazonen und die Schlacht bei Marathon gegen
die Perser und die Vernichtung der Gallier in My-
sien aufgestellt, jede Figur zwei Ellen hoch.« Es ver-
dient hervorgehoben zu werden, daß Pausanias in
diesem kurzen Text nicht von einem Sieg über die
Gallier, sondern von ihrer Vernichtung (Phtorä)
spricht.

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