Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 66
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Pergamon und die Gallier

Da der Gigantenkampf am Pergamonaltar weitge-
hend den gleichen Inhalt hat wie derjenige des Klei-
nen Attalischen Weihgeschenks, darf man anneh-
men, daß auch der Anlaß für beide Werke der glei-
che ist, und genau betrachtet gibt es einen solchen
Anlaß vor 166 v.Chr. nicht. Zwar hatte Eumenes
im Krieg gegen Prusias 183 v.Chr. auch gegen die
Gallier des Ortiagon zu kämpfen, doch traten diese
nicht autonom, sondern nur als Hilfstruppen des
Königs von Bithynien auf. Unmittelbar an den
Krieg gegen diesen schloß sich ein Feldzug gegen
Pharnakes I. von Kappadokien am Pontos an, den
Eumenes zwischen 182 und 179 v.Chr. von Gala-
tien aus unternahm und in dem die Gallier diesmal
Hilfstruppen der Pergamener waren. Damals
konnte der Pergamonaltar schwerlich in Auftrag ge-
geben worden sein, wenn man nicht die eigenen
Hilfstruppen verärgern wollte.
Zwischen 179 und 168 war Galatien praktisch eine
pergamenische Provinz. Der König von Pergamon
ließ in Pessinous sogar einen prächtigen neuen Tem-
pel mit Hallen aus weißem Marmor'5 errichten. In
dieser Zeit wäre es politisch verkehrt gewesen, die

54 Gefallener Perser,
Neapel, Nationalmuseum.
Der Sieg über die Perser, die
ihr Land bedrohten,
einte die Griechen und
führte zur Blütezeit der
Klassik.
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