Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 69
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1991/0068
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
die Tyche ist imstande, alle berechtigten Erwartun-
gen wie durch einen Blitz aus heiterem Himmel zu-
nichte zu machen, und wenn sie jemanden begün-
stigt und ihre Gewichte auf die Waagschale seines
Schicksals gelegt hat, dann, als käme ihr die Reue,
sofort das Zünglein zurückschnellen zu lassen und
das Glück in einen Scherbenhaufen zu verwandeln.
Diese Erfahrung mußte damals auch Eumenes ma-
chen. Er wähnte gerade jetzt seine Herrschaft fest
gegründet und erwartete nach dem Sturz des Per-
58 Niedersinkender seus und der völligen Vernichtung des makedoni-
Gallier, Venedig, Museo sehen Reiches in Zukunft von jedem außenpoliti-
Arcbeologico. schen Druck frei

zu sein; gerade in diesem Augen-
Der niederstürzende Gal- ui iu jjl j- i

..... ,. , , blick aber geriet er dadurch in die schwerste Ge-

lierhauptlmg kehrt in et- .
nem pergamenischen Gal- fahr, daß die Galater in Asien, was niemand hätte
liergemälde wieder, das voraussehen können, die Gelegenheit zu einem An-
auf römischen Sarkopha- griff auf ihn benutzten.«

gen (Abb. 62) kopiert ist. Dies war jedoch zweifellos die Folge der neuen Poli-
Das Gemälde könnte des- .. .. 11»

halb von Phyromachos tlk Roms' dle nach der Ausschaltung Makedoniens
stammen, der auch Maler niemanden mehr ausschließlich begünstigte, son-
war. dem die einen gegen die anderen ausspielte, so daß
loading ...