Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

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Römische Kopie,
Neapel, National-

Eintracht in ei-
nem mythischen
Exempel vor

kierende Maßnahmen waren die Stiftung einer Säu- 61 Dirke-Gruppe.

lenhalle Eumenes'II. am Akropolissüdhang und Amphion und

eine weitere Attalos' II. an der Aeora von Athen, die 5^,05 fesse^n

° Dirke an einen

beide dem Vorbild einer solchen Stiftung Attalos'I. gtjer umihre

in Delphi folgten. Mutter Antiope

In den gleichen Zusammenhang gehört auch die zu rächen

Stiftung der gewaltigen Dirke-Gruppe in Rhodos76 (16S~159 v- Chr.).

(Abb. 61). Dargestellt sind die Brüder Amphion und

Zethos, die ihre Mutter Antiope rächen. Statt ihrer museum.

fesseln sie die böse Königin Dirke an den Stier, der Im Original der

Antiope zu Tode schleifen sollte. Diesen Mythos gewaltigen

hatten Eumenes II. und sein Bruder Attalos schon Gruppen ließen

Eumenes II. und

im Tempel ihrer Mutter Apollonis in Kyzikos als Attatos II. in
Beispiel der Sohnesliebe darstellen lassen.77 In Rho- Rhodos ihre
dos sollte er die Eintracht der Attaliden und ihre Mutterliebe und
Zuverlässigkeit als Freunde der Rhodier bekunden
Die Bestrafung Dirkes spielt zugleich auf die Über-
windung Galatiens an, wenn auch nur in versteck- Augen führen
ter Weise. Dirke trägt in einer Wiederholung der
Gruppe, bei der ihr Kopf erhalten ist, die zottigen
Haare einer Gallierin.78

An drei herausragenden Orten der hellenistischen
Welt, in Pergamon, Rhodos und Athen, kündeten
große Denkmäler vom Sieg Pergamons über die
Barbaren. In der Heimatstadt hatte Eumenes II. das
Erlebnis des Kampfes gegen die Gallier im Großen
Fries vom Pergamonaltar verarbeitet, in Rhodos
wurde nur in verschlüsselter Form auf dieses Ereig-
nis Bezug genommen, während das eindrucksvollste
und unmißverständliche Denkmal, durch das die
Attaliden ihre Politik ohne große, die Römer mög-
licherweise verletzende Worte dem ganzen griechi-
schen Volk anschaulich nahebringen konnten, das
Attalische Weihgeschenk auf der Burg von Athen
war.

Nach allem wird deutlich, daß der von Pausanias
als Stifter genannte Attalos weder der erste noch der
dritte dieses Namens gewesen sein kann, sondern
man muß erwarten, daß das Weihgeschenk bald
nach dem Siege 166 v.Chr. unter Verwendung der
Siegesbeute zumindest in Auftrag gegeben wurde.

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