Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 76
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Zwar konnte sich die Fertigstellung eines so gewal-
tigen, vielfigurigen Monuments auch ein Jahrzehnt
oder länger hinziehen, so daß es erst von Attalos II.
geweiht werden konnte, auch wenn der Auftrag
noch in der Regierungszeit Eumenes' IL, das heißt
vor 159/8 v. Chr. erteilt worden war. Dies ist in der
Tat das Wahrscheinlichste, und nur unter dieser
Voraussetzung kann man jene entscheidend wich-
tige Notiz richtig interpretieren.

Phyromachos,
Hofkünstler von Pergamon

Plinius79 schreibt nämlich: »Mehrere Künstler schu-
fen die Kämpfe des Attalos und Eumenes gegen die
Gallier: Eisigonos, Phyromachos, Stratonikos und
Antigonos, der auch Bücher über seine Kunst ver-
faßte.« Man darf diesen Satz wohl nicht so verste-
hen, als ob Plinius alle Künstler hätte aufzählen
wollen, die Darstellungen der Gallierkämpfe der
Attalidenkönige schufen. Er hätte sonst wenigstens
auch Epigonos erwähnen müssen, den er an anderer
Stelle80 als Schöpfer von Galliermonumenten nennt.
Plinius dürfte eher ein einziges großes Monument
im Auge gehabt haben, das die Gallierkämpfe eines
Attalos und eines Eumenes verherrlichte und an
dem die vier genannten Künstler mitarbeiteten.
Wenn dem so ist, dann kann Plinius nur das Kleine
Attalische Weihgeschenk gemeint haben. Denn der
einzige Künstler der von Plinius genannten Vierer-
gruppe, den man zeitlich festlegen kann, ist Phyro-
machos, und von diesem läßt sich durch den Stilver-
gleich mit seinen anderen Werken zeigen, daß er
zumindest den in der Neapler Kopie überlieferten
Giganten (Abb. 49, 51, 52) schuf. Da es schwer vor-
stellbar ist, daß ein einziger Künstler alle hundert
Figuren des Weihgeschenkes eigenhändig geformt
hat, muß der Gigant des Phyromachos Teil eines

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