Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 79
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Malerei und Skulptur

Für diese Interpretation gibt es noch einen weiteren
Hinweis, der sich bei der Untersuchung*4 römischer
Sarkophagreliefs (Abb. 62) mit der Darstellung von
Gallierschlachten ergab. Diese Untersuchung ist mit
der ganzen Frage so eng verbunden, daß ihr Ergeb-
nis kurz referiert werden soll.

Die Komposition der Darstellung einer Schlacht
zwischen Galliern und Pergamenern auf vier römi-
schen Reliefsarkophagen dürfte auf ein Schlachten-
gemälde zurückgehen, das sich nach Aussage des
Pausanias (1, 4, 6) in Pergamon befand. Die Dar-
stellung auf den Sarkophagen ist derjenigen des
Kleinen Attalischen Weihgeschenkes so ähnlich,
daß man sich fragt, ob es nicht ebenfalls ein Werk
des Phyromachos ist, der ja Erzgießer und Maler
war. Das Gemälde schildert den Kampf Mann ge-
gen Mann, in dem die Pergamener die muskulösen,
durch ihre Halsringe als Gallier gekennzeichneten
Barbaren mit ihren struppigen Haaren überwinden.
Als der pergamenische Feldherr gegen den Häupt-
ling der Gallier anreitet und dieser seine Sache ver-
loren sieht, gibt er sich selbst den Tod. Merkwürdig
ist nun, daß der Feldherr der Pergamener den rech-
ten Arm mit der Waffe, zum Stoße ausholend, so
nach oben zieht, daß er sein Gesicht selbst verdeckt.
Das wirkt wie ein Zitat aus der Amazonenschlacht
am Schildrelief der Athena Parthenos, wo Phidias
mit dem gleichen Kunstgriff die Züge des Perikles
verdeckte, den er als Anführer der Griechen dar-
stellte85, aber nicht aufdringlich herausstellen
durfte.

In einer pergamenischen Schlachtendarstellung die-
ser Zeit ergab sich die Notwendigkeit, die Gesichts-
züge des Feldherrn nicht offen zu zeigen, weil der
König wegen der Folgen eines Attentates 172
v. Chr. und wegen seiner kränklichen Natur nicht
zu Pferde mitkämpfen konnte, während sein Bruder
als Feldherr die Schlacht leitete, als solcher aber in

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