Andreae, Bernard  
Laokoon und die Kunst von Pergamon: die Hybris der Giganten — Frankfurt a.M., 1991

Seite: 85
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lieh gehören in diese Phase auch die Pasquino- und
die Polyphem-Gruppe (Abb. 11) sowie das perga-
menische Galliergemälde (Abb. 62), das Pausanias
erwähnt.

Die fünfte Phase ist die der fortschreitenden Abhän-
gigkeit von Rom nach dem Überfall Prusias' II. von
Bithynien (156/5 v.Chr.) und der Visitation von
Pergamon durch Scipio Africanus (139 v. Chr.), den
römischen Exponenten der Zeit, in der Korinth,
Karthago und Numantia zerstört wurden und Per-
gamon sich schließlich nur durch Selbstaufgabe ret-
ten konnte.

Künstlerischer Ausdruck dieser Phase ist die Lao-
koon-Grupppe (Falttafel und Abb.21), die das
Schicksal von Pergamon an das Schicksal der Nach-
fahren Trojas knüpft. Die Laokoon-Gruppe ist der
Schwanengesang der pergamenischen Kunst. Sie ist
das alle Zeiten überdauernde Denkmal jener welthi-
storisch bedeutenden Epoche, in der die Auseinan-
dersetzung zwischen der aufstrebenden Weltmacht
Rom und der im Niedergang befindlichen griechi-
schen Staatenwelt mit dem Aufgehen des Reiches
von Pergamon im römischen Staatsverband (133
v. Chr.) ihren endgültigen Wendepunkt erreicht.
Die Römer haben sich mit dem Staat auch die Kunst
von Pergamon so gründlich angeeignet, daß die
Laokoon-Gruppe bis heute von den meisten als eine
Schöpfung römischer Zeit angesehen wird. Die Auf-
deckung der Stufen, in denen sich die Konzeption
dieses Meisterwerkes einer Gruppenkomposition
vollendet hat, stellt sie wieder an den Wendepunkt,
den sie bezeichnet, im Sinne des griechischen Wor-
tes Epoche, das heißt Angelpunkt der Zeiten. Es ist
die Scheidemarke zwischen der griechischen und
der römischen Welt.

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