Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 10
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wenn sie standen, und den Lärm der rollenden
Wagen, die nur bei Nacht die Stadt versorgen durf-
ten, nicht mehr hören konnte.

Die beiden größten satirischen Dichter der hohen
Kaiserzeit waren sich einig: »In einem Mietshaus
stirbt man krank vor Schlaflosigkeit.«4
Martial5, der wie jeder geistig arbeitende Mensch
Ruhe brauchte, listet die Lärmquellen auf, die in der
Stadt rund um die Uhr einen so unerträglichen
Geräuschpegel schaffen, daß der Dichter, wenn er
nur kann, auf sein kleines Landgut Nomentum hin-
auszieht, mag es auch noch so dürftig sein. In der
Stadt stampfen schon vor Tagesanbruch die Sklaven
das Mehl fürs Brot im Mörser. Der Hahn kräht von
morgens bis zur 6ten Stunde, am Mittag lärmt die
Elementarschule an der Ecke. Die Schüler sprechen
im Chor die vorgesprochenen Weisheiten nach, sie
brüllen, wenn sie geprügelt werden, und sie über-
schreien einander in den Pausen. Martial6 wollte
einmal sogar einen Lehrer auszahlen, damit er
endlich schweigt, ist der Lärm einer Schule doch
schlimmer als der im Amphitheater. Dann kommt in
unablässigem Rhythmus noch das Klappern der
Handwerker, der Lärm der Straßenverkäufer, der
Geldwechsler, der Bettler, der Reisenden, die von
einem Unglück erzählen, und der herumziehenden
Sektenanhänger hinzu oder der Abergläubischen,

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