Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 14
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heute den berühmtesten römischen Brunnen speist,
die Fontana di Trevi. Das bedeutet, daß das Miets-
haus auf dem Vorsprung des Quirinais lag, der
heute von dem unter Paul V. Borghese (1605-1621)
erbauten Palast des italienischen Staatspräsidenten
eingenommen wird. Es war mühsam, dort hinauf-
zusteigen, und Martial12 rät einem gewissen Luper-
cus, der sich ein Epigrammenbuch bei ihm leihen,
das heißt schnorren will, um es von einem Sklaven
abschreiben zu lassen, es lieber im Argiletum im
Stadtzentrum für fünf Sesterze zu kaufen, wohin er
hinabgehen kann, nicht hinaufsteigen muß.
Das zweite, was Martial13 von seiner Mietwohnung
im dritten Stock für mitteilenswert hält, ist die Tat-
sache, daß die Enge, in der man hier wohnt, Distanz
und Anonymität zur Folge hat. In der ganzen Stadt
ist keiner ihm so nahe und so fern zugleich wie sein
Nachbar, den er mit der Hand vom Fenster aus be-
rühren kann. Er kann nicht mit ihm feiern, ihn nicht
sehen, ja nicht einmal hören. Er ist ihm so fern wie
sein Freund Terentius, der in Assuan am Nil, der
südlichsten Garnisonsstadt des Römischen Impe-
riums, das Kommando führt.

Martial sagt sich, daß er umziehen muß, und das tut
er spätestens 94 n. Chr., vielleicht schon im Jahre 89.
Seinem Freund Julius mit dem gleichen Beinamen
Martialis, den er selbst trägt, schreibt er, daß man-

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