Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 29
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diese abwechselnd belichteten und beschatteten
Räume durchmessen hat.

Das Raffinement dieser Raumanordnung, die nur
der Augenweide dient, wird durch die Wandbema-
lung vollendet. Im Bewußtsein der Stilentwicklung,
die man in den zeitlich aufeinanderfolgenden Pha-
sen der Villa lückenlos verfolgen kann, bekommt die
hier verwirklichte Stilstufe eine besondere Note, die
man nicht ohne weiteres bemerkt, wenn man die
Wandmalerei unbefangen betrachtet. Doch auch in
diesem Fall erfährt man eine Irritation. Denn die
Wände der Lichthöfe, durch die der Blick geht, sind
in völlig unnatürlicher Weise mit einem kräftigen,
leuchtenden Gelb bemalt, fast möchte man sagen,
ausgeschlagen. Dieses Gelb wirkt um so künstlicher,
weil in den Lichthöfen die Böden aus Erde bestehen,
in denen natürliche Pflanzen aufwuchsen. Diese tre-
ten in einen merkwürdigen Wettstreit mit den
kunstvoll auf den gelben Grund gemalten Garten-
landschaften von durchaus die Natur imitierender
Art. Zwischen diesen gemalten Zierpflanzen sieht
man vom Maler hingezauberte Marmorbecken mit
gemaltem flüssigen Springquell. Vögel tummeln
sich im Geäst und fliegen durch die gelbe Luft, und
dann sieht man dort auch einen großen, stolzen
Pfau mit Krönchen und langem Schweif, auf dem
die Pfauenaugen ein prachtvolles Muster bilden.

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