Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 32
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Die Villenkultur war in Italien durch ein angeneh-
mes Klima und durch Wasserreichtum begünstigt.
Nach Rom zum Beispiel flössen pro Tag durch elf
Wasserleitungen 992.200 Kubikmeter Trinkwasser36,
vom Tiber ganz zu schweigen. Eine Million Kubik-
meter Wasser bedeutete in Rom 1 m3 pro Kopf und
Tag. Eine solche Wassermenge steht heute nur ganz
wenigen zur Verfügung. Das Land war aber nicht
nur reich an Wasser, es war an allem reich. In der
Tat war die späte Republik und das Kaiserreich bis
an die Grenze der Spätantike eine Zeit nie vorher
dagewesenen Reichtums nicht nur der Oberschich-
ten, sondern breiter Schichten der Bevölkerung. Die
Weltherrschaft Roms und die Segnungen des augu-
steischen Friedens terra marique im Zeichen eines
sicheren Welthandels, dem bis mindestens zur Zeit
Trajans durch die Hinausschiebung der Grenzen
ständig neue Märkte erobert wurden, ließen zu-
nächst nach Italien, dann auch in die Provinzen
einen Reichtum fließen, der alle Vorstellungen über-
steigt. Auf diesem Nährboden konnte die römische
Villa gedeihen, die nach den Worten von Paul Zan-
ker37 »für die Nachwelt zum Inbegriff eines vorneh-
men und luxuriösen Refugiums abseits des Alltags-
betriebes geworden« ist. Paul Zanker hat das interes-
sante Phänomen näher untersucht, wie die römische
Villa zum Vorbild des Wohngeschmacks auch jener

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