Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 33
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Bürger des Mittelstandes wurde, die sich ein tat-
sächliches räumlich ausgedehntes rus in urbe trotz
allgemein größeren Reichtums denn doch nicht lei-
sten konnten. Als Goethe38 Pompeji besuchte, war
er erstaunt über die Enge der dortigen Wohnungen
und notierte, »daß es keinen größeren Luxus gibt als
Raumluxus«. Nun hatten die Römer schon ziemlich
früh - auch darin hellenistischen Anregungen und
Prototypen folgend - ein Mittel gefunden, dem
Mangel an betretbarem Raum durch die Bemalung
ihrer Wände mit illusionistisch erweitertem Raum in
Form großer Prospekte abzuhelfen39. Ein besonders
bedeutendes Beispiel ist uns in der Villa von Oplon-
tis schon begegnet.

In der Zeit nach dem Erdbeben 62 n. Chr. geht im
Zusammenhang mit der Beseitigung der Schäden
und einem an vielen Stellen notwendigen Wieder-
aufbau der Häuser eine deutliche Veränderung der
Wohnkultur vor sich, die man kurz als Miniaturisie-
rung aristokratischer Vorbilder bezeichnen kann40.
Größere Schichten, denen weder der Raum noch die
Geldmittel zu einem so aufwendigen Bauen zur Ver-
fügung standen, wie es der für andere Schichten
entwickelten Typologie entsprach, wollten gleich-
wohl das Lebensgefühl erfahren, das die bewunder-
ten Großen in Rom von noch Größeren im helleni-
stischen Osten übernommen und weiterentwickelt

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