Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 34
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hatten. Der Vorgang wäre banal, wenn schöpferi-
sche Phantasie nicht etwas eigenartig Neues daraus
gemacht hätte.

So wie der japanische Garten mit seinen Miniatur-
pflanzen und seiner bezaubernden symbolischen
Ordnung eine menschliche Antwort auf den notori-
schen Platzmangel eines überbevölkerten Inselstaats
ist, so zeigen auch seit neronisch-flavischer Zeit die
kleinen Häuser in Pompeji, wo sie am besten zu be-
trachten sind, aber auch in allen anderen römischen
Städten von Ephesos41 bis Coimbra42 und von Lep-
tis Magna43 bis Fishbourne44 eine besondere Blüte
römischer Wohnkultur. Dabei wirken Architektur
in Miniaturform, Skulpturen in Statuettenformat,
Wandmalereien und die Bepflanzung in kleinen
Höfen, aber auch in Tontöpfen auf Terrassen, Veran-
den usw. zusammen, rus in urbe entstehen zu lassen.
Wenn ein Euripus oder Nilus zu groß ist, auf dem
einst die Palastschiffe der Ptolemäerkönige45 dahin-
fuhren, dann baut man sich einen Kanal in den Gar-
ten, der schließlich bis zu einem kleinen Becken
schrumpfen kann.

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