Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 46
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erhöhten Niveau, in das die hufeisenförmige Exedra
einschneidet, eine nach allen Seiten offene, von vier
Säulen getragene Ädikula, die ihre Giebelseite dem
Betrachter zuwendet. Dieses tempelartige Gebilde
wird von vier Pfeilern überfangen, die die Pergola in
die Mittelachse des Gartens vorspringen lassen. Die
Blickachse wird auf diese Weise durch ineinander-
geschachtelte Rahmenmotive akzentuiert und da-
durch festgelegt, daß durch die ganze Länge des
Gartens ein dem senkrecht dazu verlaufenden ähn-
licher, aber etwas breiterer und tieferer Kanal in den
Hintergrund hineinführt.

Auf der halben Länge dieses Kanals wird das Motiv
der ineinandergeschachtelten Pavillonelemente aus
vier größeren Pfeilern außen und einer auf vier Säul-
chen ruhenden Pergola innen wiederholt. Doch nun
steht die Ädikula nicht in der Pergola, sondern 5 m
weiter nach hinten verschoben, und das Ganze ver-
kürzt sich durch die Perspektive dermaßen, daß sich
die verschiedenen Elemente in das Rahmenwerk der
ersten Pergola mit Ädikula genau einfügen und den
kanalisierten Blick immer mehr einengen. Dabei
kann der Betrachter die Raumtiefe des Ganzen
anschaulich erfahren. Wie ein Musterbeispiel der
Theoreme Euklids laufen die Linien unterhalb des
Horizontes nach oben, diejenigen oberhalb des
Horizontes nach unten, die auf der rechten Seite

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