Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 55
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horti in Rom kennt, ohne die Möglichkeit, eine An-
schauung zu gewinnen.

Nach der berühmten Anekdote Diderots59, wonach
ein Literat aufgrund einer genauen Beschreibung
seiner Geliebten bei hundert Künstlern ein Bild be-
stellte und hundert Bildnisse zurückerhielt, die zwar
genau seiner Beschreibung entsprachen, aber weder
ihr noch einander glichen, wollen wir davon ab-
sehen, uns ein Bild von villenähnlichen Domus und
Gartenanlagen in der Hauptstadt zu machen, die
wir nur aus der Literatur kennen, sondern uns
auf die wenigen archäologisch noch greifbaren be-
schränken.

Was kann man von dem Versuch einer Darstellung
der Gärten im Alten Rom erwarten? Gibt es etwas
Vergänglicheres als Gärten, die nicht mehr gepflegt
werden, und dazu noch Gärten in einer Stadt, die
zwei Jahrtausende über diesen versunkenen Gärten
weitergelebt hat? In der Tat ist keine einzige Pflanze,
die zu Augustus' Zeiten in Rom aufwuchs, heute
noch am Leben wie die Platane auf Kos, unter der
schon Hippokrates gesessen haben soll, oder wie
zur Zeit des Plutarch noch ein Kornelkirschbaum
auf dem Palatin gepflegt wurde, den Romulus ge-
pflanzt haben sollte60. Ist also alles, was wir über
rus in urbe wissen, nur Papier?
Zu Hilfe kommt uns die Tatsache, daß die Parks in

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