Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 59
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denn die frühe Geschichtsschreibung berichtet von
einem Prozeß gegen den Diktator wegen Unter-
schlagung von Teilen derselben. Bedeutend war die
Beute von Kunstwerken aus den Eroberungen von
Tarent 272 v. Chr., Bolsena 265 v. Chr. und vor allem
Syrakus 212 v. Chr.66 Mit der Eroberung dieser Groß-
stadt in Sizilien läßt Livius67 »die bewundernde
Betrachtung griechischer Kunstwerke und die Un-
verfrorenheit einsetzen, mit der man alles, ob den
Göttern geweiht oder profan, davonschleppte«.
189 v. Chr. brachte Fulvius Nobilior die Kunstwerke
von Ambrakia68 nach Rom, und der Strom geraub-
ter Statuen aus allen Städten des hellenistischen
Ostens, darunter als reichste wohl das 146 v. Chr.
zerstörte Korinth69, wird nun immer breiter, bis
Cicero70 im Jahre 70 v. Chr. in dem berühmten Pro-
zeß gegen den Praetor Gaius Verres eine aufschluß-
reiche Schilderung der Methoden des Kunstraubes
durch Amtsmißbrauch gibt, die man als exempla-
risch betrachten darf.

Interessant ist, daß Cicero selbst, der später auch
Praetor in eroberten Provinzen war, die gleiche
Kunstleidenschaft entwickelte wie der von ihm an-
geklagte Verres, daß er sich aber der legalen Wege
des Kunsthandels bediente, um diese Leidenschaft
zu befriedigen, die andere, wie Cicero selbst ver-
merkt, fast tadelnswert finden müßten71.

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