Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 70
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unmittelbarsten Pflichtenkreis hinaus produktiv,
wenn sie losgelöst von der Bürde des geistlichen
oder weltlichen Amtes, des senatorischen, richter-
lichen, anwaltlichen Berufes aus dem Toben und
Getöse der unheimlichen Riesenstadt hinauseilen in
die wonnigen Gefilde Italiens, in die Berge oder ans
Meer«90.

Lucullus wollte noch mehr. Obwohl er Villen in Tus-
culum, Baiae, Misenum und an anderen Stellen des
Golfs von Neapel besaß, wollte er eine Villa in der
Stadt, rus in urbe, und er wählte dafür einen Ort, der
so geeignet war, daß viele ihn bis in die Spätantike
hinein nachahmten und dort ihre Villen bauten, so
daß der Ort den Namen Collis hortulorum91, Garten-
hügel erhielt. Noch heute dehnt sich dort die größte
römische Parkanlage aus, die Villa Borghese. Ge-
meint ist der mit seinem Steilabfall zum Marsfeld im
Nordosten der Stadt sich erstreckende Höhen-
rücken des Pincio.

Die Horti Luculliani92, von denen hier die Rede sein
soll, lagen auf dem Pincio unweit der Spanischen
Treppe, die sie in mancher Hinsicht vorwegnah-
men, linker Hand der heutigen Kirche S. Trinitä dei
Monti. Von dort hat man noch heute den schönsten
Blick auf Rom, und dort liegt auch heute eine be-
rühmte Villa, nämlich diejenige des Kardinals Ricci
von Montepulciano von 1564, die 1576 in den Besitz

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