Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 76
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ser hoch aufragenden Stützmauern wieder, die den
Geländeabfall zwischen Pincio und dem heute vom
westlichen Teil der Villa Borghese eingenommenen
Tal gegen Erosion sichern und eine spitz nach Nord-
osten vorstoßende hohe Terrasse bilden. Diese gibt
auch heute noch einem Park mit üppigem Baumbe-
stand Raum. Man begreift, daß reiche Römer keine
Mühen scheuten, sich wenigstens am Stadtrand ein
Stück Land zu sichern, wo sie sich fern vom Lärm
der Stadt, aber mit Blick auf das lebhafte Getriebe
unter ihnen dem otium und der Beherrschung der
Welt mit Blicken widmen konnten.
Der Dichter Lukrez100 hat um die Zeit, als Lucullus
seine Villa auf dem Pincio erbaute, das Lebensgefühl
in Worte gefaßt, das an solchen Orten, die er als
sedes quietae bezeichnet, die Menschen erfüllt: »Nichts
ist süßer, als in den heiter-ruhigen Bezirken zu woh-
nen, wohlbefestigt in den Höhen durch die Lehre
der Weisen, von wo man hinabschauen kann und
sehen, wie die anderen hin und her irren, wie sie
unstet den Weg des Lebens aufsuchen, wie sie sich
streiten um Geist und Witz und um Ansehen, Tag
und Nacht in niemals rastender Arbeit streben, um
sich zum Gipfel der Macht zu erheben.«
Wer in einer Villa wie der des Luculi oder der Acilii
stand und auf das Getriebe der Stadt hinabschaute,
der strebte nicht mehr zum Gipfel der Macht, er

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