Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 82
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DIE GÄRTEN DES MAECENAS

Wenn Lucullus auf dem Gipfel eines Hügels seine
Villa baute, um auf das Getriebe der Stadt hinab-
schauen zu können, und Sallust sich davor in ein
tiefes Tal zurückzog, baute ein dritter der großen
Römer des 1. Jahrhunderts v. Chr. sich in seine Villa
einen hohen Aussichtsturm, um den weiten Rund-
blick zu genießen. Von diesem Turm sah Nero im
Jahre 64 n. Chr. Rom brennen, »die Schönheit der
Flammen genießend, wie er selbst erklärte«.114
Bekannt ist dieser Turm nur aus einer weiteren
Schriftquelle, einer Ode des Horaz115, in der dieser
den Erbauer und Besitzer der Villa und des Turms,
seinen Gönner Cilnius Maecenas, auffordert, alles
was ihn in Rom zurückhält, zu vergessen und mit ihm
auf das schlichte Landgut in den Sabiner Bergen hin-
auszukommen. In diesem Gedicht116 erwähnt Horaz
den Bau, der »den hohen Wolken nahe kommt«,
er erwähnt den Rundblick auf Tibur, Aefula und
Tusculum und beschwört ihn, sich davon loszurei-
ßen und aufzuhören, das glückliche, verqualmte,
reiche und lärmende Rom zu bewundern.

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