Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 84
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Aus einem anderen Gedicht des Horaz117 erfährt
man, wo die Villa gelegen war, und konnte daher
auch nach ihren Resten suchen, von denen ein un-
gewöhnlich interessanter Bau tatsächlich identifi-
ziert werden konnte. Wir sind hier also glücklicher
daran als bei den Gärten des Lucullus, von denen
nur die Nachrichten Pirro Ligorios eine Vorstellung
vermitteln, und bei den Gärten des Sallust, von
denen man nur den Ort und spätere Überbauungen
kennt.

Doch gehen wir der Reihe nach vor: In der 8. Satire
des 1. Buches der Sermones spielt Horaz darauf an,
daß Maecenas den Schindanger außerhalb der in
der heutigen Via di S.Vito erhalten gebliebenen,
unter Augustus erneuerten und 262 n. Chr. in-
schriftlich dem Kaiser Gallienus gewidmeten Porta
Esquilina aufgelassen und darüber seine Gärten an-
gelegt hatte118. »Hierher wurden die Leichen von
Sklaven gebracht, die man aus den engen Zellen
hinausgeworfen hatte, hier war das Massengrab für
die Plebs, 1000 Fuß lang und 300 Fuß breit. Doch
jetzt kann man gesund hier auf den Esquiliae woh-
nen und auf dem Wall in der Sonne spazieren, von
wo man vor kurzem auf das Feld voller bleichen
Gebeins nur mit Grauen hinabsah.«119
Maecenas hat die großen Gärten, die er in der Stadt-
erweiterung anlegte, dem Kaiser Augustus vererbt120,

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