Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 92
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rettet werden konnten. Ungewiß ist, ob das Dach
der gedeckten halbkreisförmigen Veranda von Pfei-
lern getragen wurde wie in Pompeji, zwischen
denen große Fensteröffnungen den Blick freigeben,
oder ob hier eine Säulenhalle stand. Die römische
Villa war viel größer als die auch nicht gerade kleine
in Pompeji. Im Vergleich kann man deshalb die
Grandiosität des römischen Baus ermessen, der eine
Basis Villae von circa 90 x 50 m Größe besaß, wäh-
rend die Mysterienvilla eine nur 65 m lange Front
aufwies. Die Tiefenausdehnung ist allerdings grö-
ßer, weil sich an die pars urbana der Mysterienvilla
noch eine pars rustica anschließt, die in Rom fehlt.
Hinter der Front der römischen Villa lagen die ähn-
lich wie in der Mysterienvilla verschachtelten klei-
neren und größeren Wohnräume, die herrlich aus-
gemalt waren, und eine feine, zu kandelaberartigen
Elementen geschrumpfte Scheinarchitektur mit rei-
chen Landschaftselementen aufweisen. Man kann
hier den Übergang von der illusionistischen Malerei,
die mit trompe-roeil-Effekten arbeitet und Ausblicke
in ein räumliches Kontinuum jenseits der Wand vor-
täuscht, zu einer die Wand als Malfläche benutzen-
den Gartenmalerei des sogenannten dritten Stils
studieren, das heißt den entscheidenden Übergang
vom zweiten zum dritten Stil, der sich in den zwan-
ziger Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. vollzieht.

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