Andreae, Bernard  
"Am Birnbaum": Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia — Mainz/Rhein, 1996

Seite: 104
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ADONISGÄRTEN

Abb. 23 Schließlich lag möglicherweise eine ganz besondere
Art von Garten in Rom auf dem Palatin, den man
von verstreut gefundenen Fragmenten des severi-
schen Marmorplans und einer Erwähnung in der
Lebensbeschreibung des Philosophen und Wunder-
mannes Apollonios von Tyana157 kennt. Mit dieser
Lebensbeschreibung hatte die Kaiserin Julia Domna,
Gattin des Septimius Severus (193-211 n. Chr.),
den Sophisten Philostratos beauftragt, und dieser
berichtet darin (7,32), Apollonios sei im Jahre 95/96
n. Chr. vor den Kaiser Domitian gebracht worden,
als dieser sich gerade im Hof des Adonis aufhielt.
»Dieser Hof prangte von Blumenkästen, wie sie die
Assyrer dem Adonis an seinem Feste in ihren Häu-
sern anlegen und weihen.«158

Diese Nachricht hat man schon immer mit den
erwähnten Adonea des Marmorplans159 kombiniert,
aber erst neuerdings160 hat man die richtige Deu-
tung des Grundrisses gefunden. Ein T-förmiger Hof,
der von Säulenhallen eingefaßt ist, zeigt im Inneren
viele Reihen dicht nebeneinanderliegender Punkte,

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